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Himmel in Deinem Herzen— ich muß verſuchen, ob ich einige Deiner Geheimniſſe lernen kann.“
Das Kind lächelte bei den letzten Worten und flüſterte dann mit liebevollem Ernſte, wobei ſie Miß Mabel dicht an ſich zog:„Gott wird ſeine heiligen Engel ſenden, um Ihnen alle meine Geheimniſſe zu lehren und ich will jede Nacht zu ihm beten, daß er die Wolke von Ihnen nimmt.“
Von dieſer Stunde an war das bisher zwiſchen Mabel und Roſe beſtandene Verhältniß vollkommen umgedreht. Bis dahin war die Erſtere, als die ältere, ſtärkere und weiſere Freundin aufgetreten, aber in dieſer und in allen ihren ſpätern Zuſammenkünften traten die Kraft, die Weis⸗ heit und die reifern Jahre, welche ſie auf den erſten Platz geſtellt hatten, unbewußt zurück vor der Erfahrung in himmliſcher Wahrheit, der Kenntniß göttlicher Dinge, in welchen Roſe die hochbegabte Lehrerin und ſie nur die beſcheidene Schülerin war. Allerdings trat dies verän⸗ derte Verhältniß durch kein äußeres und ſichtbares Zeichen an den Tag. Schönheit, Reichthum und eine hohe Stellung auf der geſellſchaftlichen Stufenleiter wirkten alle zuſammen, um Mabel auch jetzt noch wie von jeher zu einem Gegen⸗ ſtand ehrerbietiger Bewunderung für das kranke Mädchen zu machen; und die Hinfälligkeit Roſe's erweckte mehr als je das zärtlichſte Mitleid auf der andern Seite: aber ein Schatten war auf den Pfad der Einen gefallen, während die Andere bereits den Punkt erreicht hatte, wo alle Schat⸗ ten verſchwinden; und die Jungfrau, die eben den erſten Kampf des Lebens begonnen hatte, griff gern nach den heiligen Waffen, mit welchen das Kind den Sieg erfochten hatte.
So fühlte ſie ſich faſt täglich nach dieſem kleinen Tem⸗ pel heiliger Hoffnungen, frommer Betrachtungen und hei⸗ liger Freude hingezogen, wo nicht nur ſie, ſondern auch manches andere ſchwer beladene Herz von der unbewußten


