Teil eines Werkes 
1. Bd. (1858)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

316

innerliche Verzückung, einen Vorgeſchmack der zukünftigen Seligkeit zu verkünden.

Miß Mabel, ſagte Roſe in ihrer ſtillen Weiſe, als ihre Mutter hinaus war und Lydia wieder hinter dem Laden ſtand;es kommt nicht daher, daß ich mich beſſer befinde, aber ich habe ſo ſchöne Gedanken den ganzen Tag und ſo ſchöne Träume die ganze Nacht gehabt. Ich weiß, daß ich nicht lange mehr hier bleiben werde, aber ich fürchte mich nicht, zu gehen. Ach, Miß Mabel, wenn Gottes Erde ſo herrlich iſt, wie muß dann erſt d er Himmel ſein!

Die Erde iſt doch nur ein Ort der Trauer, Roſy, ſagte Mabel mit einem Seufzer.

Das Ohr des Kindes erkannte mit einem feinen Ge⸗ fühl für das klagende Moll, welche den Kummer des Her⸗ zens verräth, wie durch Ahnung die Stimmung von Ma⸗ bels Gemüth und ſagte zu ihr mit einer zärtlich beſorgten Miene:

Nennen Sie ſie traurig? ſind Sie auch eine müde Pilgerin? und iſt Ihr Pfad jemals umdunkelt? Ich glaubte, er wäre immer beleuchtet von Sonnenſchein.

Ach, Roſy, ſagte Mabel mit einem Blick nach dem Kupferſtich, von dem Roſy wie gewöhnlich ihr Gleichniß hernahm,ich kann meinen Pfad gar nicht ſehen, es ſchwebt eine ſo dichte Wolke darüber.

Sie hatte nicht auf die Wirkung dieſes Geſtändniſſes gerechnet, das ſie einem Weſen von minderer Herzensein⸗ falt und Unſchuld als Roſy war, gewiß nicht gemacht hätte. Es ſchien ſofort das einzige Band der Sympathie zu knüpfen, das noch zwiſchen ihr und dem leidenden Kinde fehlte, das ihre Hand ergriff, ſie an ſeine ſchmalen Lippen drückte und mit Inbrunſt ausrief:Gott wird Ihnen den Weg zeigen, Miß Mabel: Er wird Ihren Pfad er⸗ leuchten, wie er meinen erleuchtet hat.

Die feierliche und prophetiſche Zuſicherung himmliſcher

GꝘ/

te

+ú˙