So
hören, in der ſie, wie man ſich wol denken kann, ſehr bald ſtecken blieb. Das Kind ſtand einige Augenblicke lang ſchweigend
da und ſagte dann, während ſich Thränen der Ungeduld
in ſeine Augen drängten:„ich kann dieſe Lektion nicht ler⸗ nen, Mrs. Herbert, ſie iſt zu ſchwer.“
„Du haſt es nicht verſucht, Mabel,“ ſagte Mrs. Her⸗
bert ſanft.
„O doch,“ erwiderte Mabel;„ich habe mir ſo viel Mühe gegeben als ich konnte und kann ſie nicht behalten. Ich wollte, ich brauchte kein Latein zu lernen.“
„Haſt Du denn gelernt, kleiner Schelm, als Du 10 Minuten lang im Heu verſteckt lagſt, während die Kinder Dich vergeblich ſuchten, oder wie Du auf dem höchſten Zweig eines Kirſchbaums ſtandſt und neugierig in das Rothkehlchenneſt guckteſt?“
Mabel warf einen raſchen Blick durch das Fenſter, von dem aus ſie ſo beobachtet worden war, blickte dann in das gütige Geſicht der Mrs. Herbert, und da ſie dort ein Lä— cheln ſah, welches zum Vertrauen aufforderte und ſie ihre Schüchternheit vergeſſen ließ, rief ſie mit natürlicher und kindlicher Offenheit aus:„aber wie konnte ich auch Etwas auswendig lernen, wenn die Andern alle ſo luſtig waren?“
„Ah! daran liegt es alſo,“ ſagte Mrs. Herbert und zog Mabel an ſich heran und wiſchte ihr den Schweiß von der Stirn.„Ich habe Dich dieſe halbe Stunde beobachtet und wußte recht gut, wie es mit der Lektion werden würde. Erinnerſt Du Dich, was ich Dir heute Morgen ſagte?“
„Sie ſagten: ſie wäre ſchwer, die ſchwerſte Lektion im Buche.“
„Das nun eigentlich nicht, liebes Kind; freilich ſagte ich Dir, daß ſie ſchwerer wäre, als Alles, was Du bis jetzt gelernt haſt; aber zugleich verſicherte ich Dir auch, daß Du ſie mit ein wenig Geduld bald bemeiſtern würdeſt und
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