Teil eines Werkes 
1. Bd. (1858)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

3

1

klangen froh und unbeſorgt und Freude ſprach aus allen ihren Bewegungen. Mochten ſie den leicht beſchwingten Schmetterling verfolgen oder ſich mit Heu bewerfen, oder in der überſchäumenden Lebendigkeit ihrer Luſt ohne Zweck umherſpringen, oder im Sonnenſchein ruhen, zu allen Zeiten waren ſie ein Bild kindlicher Heiterkeit, deſſen An⸗ blick ein Mutterherz tröſten und glücklich machen mußte. Aber obgleich die Dame mit dem ſanften Antlitz dann und wann über ihre Spiele lächelte, ſo beobachtete ſie dieſelben doch mit einem gedankenvolleren Blicke, als die Veranlaſ⸗ ſung zu verlangen ſchien, denn ſie ſah in ihrem Spiel, was ein weniger aufmerkſames Auge vielleicht nicht erkannt hätte und zog daraus ihre Schlüſſe..

Drei von der kleinen Gruppe waren ihre eigenen Kinder; aber während auch ihnen ihre Beachtung zu Theil ward und ihre unſchuldige Freude von Zeit zu Zeit ihre Theilnahme erweckte, wendeten ſich doch für jetzt ihre Ge⸗ danken nach einer andern Richtung.

Noch ein viertes Kind befand ſich im Garten, das allerdings nicht durch die Bande des Bluts das ihrige war, aber zu dem ihrigen faſt durch Adoption geworden war, denn es lebte ſeit drei Jahren in ihrem Hauſe und ver⸗ ſprach aller Wahrſcheinlichkeit nach noch lange bei ihr zu verweilen; und auf dieſes kleine Mädchen, das ihre Schü⸗ lerin war, wendete ſich jetzt die gedankenvolle Aufmerkſam⸗ keit der Lehrerin.

Die Kleine war zwiſchen elf und zwölf Jahr alt und die älteſte der kleinen Schaar; ein freundliches, rothbäcki⸗ ges, munteres Kind, von lebhaftem und unternehmendem Weſen, bei jedem jugendlichen Spiel die unfehlbare An⸗ führerin. Aber bei der gegenwärtigen Gelegenheit ſchien ſie nur halb an den Spielen und der Freude der Andern theilzunehmen, denn nach jedem neuen Ausbruch ihrer Luſt, deſſen Uebermuth die ihrer Geſpielen weit übertraf

6