Erstes Kapitel.
Eine Tugend der Sklaven iſt Furcht; doch das liebende Herz, das iſt willig; Vollkommen vor Gott iſt und war die Lieb' und allein nur die Liebe. Tegnér.
AMn einem ſchönen Mittſommernachmittag ſaß eine Dame von mittleren Jahren mit einem ſanften und ge⸗ dankenvollen Geſicht allein in ihrem ſtillen Zimmer, eifrig mit Nähen beſchäftigt. Ihre Wohnung lag auf dem Lande und das niedrige Fenſter ſah unmittelbar auf den grünen Abhang eines Obſtgartens hinaus, aus dem jeder neue Luftzug den ſüßen Duft des friſchgemähten Heues hereintrug. Die Dame war eine Frau von vielen Sor⸗ gen und nur wenig Muße; und ſeit länger als einer Stunde hatte ſie ihr Auge nicht von ihrer Arbeit erhoben, als ſie, plötzlich aufmerkſam geworden durch fröhliche Kin⸗ derſtimmen, innehielt, wie ſie einen Stich machen wollte, und, die Nadel immer noch zwiſchen Finger und Daumen haltend, ſich mit dem Ellbogen auf das Fenſterbret lehnte und mehrere Minuten lang angelegentlich und aufmerkſam ihren Blick auf eine Gruppe von Kindern unter einem gegenüberſtehenden Baume ruhen ließ. Sie waren zu weit entfernt, als daß man ihre Worte hätte verſtehen können, aber ihre Geſichter ſtrahlten von Glück, ihre Stimmchen 1*


