und barbariſch es von uns wäre, wollten wir das Schiff mit den Frauen und Kindern auf hoher See verlaſſen, und wie es am Ende doch zu nichts Anderem führen würde, als daß die Malayen uns die Kehle abſchnitten und das Fahrzeug wahrſcheinlich einem Schiffbruch ausgeſetzt werde. All dieſes Unglück hätten alsdann wir zu verantworten, und dürften daher nur unſerem Schöpfer danken, wenn das Projekt ſcheitere. Die Leute horchten mir aufmerkſam zu und verſprachen mir, jeden Gedanken an Ausführung der Meuterei aufzugeben; ſie hielten auch wirklich ihr Wort, und es war nicht weiter von der Sache die Rede.
Ueber meine Wunde und ihre Beſchaffenheit ließ ſich eigentlich gar nichts ſagen. Der Doktor zeigte ſich ſehr gütig und wohlwollend gegen mich, allein er konnte mir nur die Nahrung und ein paar lindernde Arzneien reichen. Was den Kapitän anlangt, ſo ſchien er ſich ganz von dem Steuermann bereden zu laſſen, welch letzterer der Anſicht war, daß ich mich nur krank ſtelle oder einen größern Scha⸗ den verſchütze, als ich eigentlich empfangen habe. An Bord des Schiffs befand ſich ein Knabe von guter Herkunft, der auf dem Schiffe ſich für den ſeemänniſchen Beruf vorbereiten ſollte, und als eine Art vornehmer Kajütenjunge bei uns fungirte; er konnte höchſtens eilf bis zwölf Jahre alt ge⸗
weſen ſeyn, wurde aber ein wahrer Rettungsengel für mich.
Er trug mir Leckerbiſſen zu, zollte mir das aufrichtigſte Mitleid, und weinte manch liebes Mal mit mir. Die Da⸗ men und die Kinder des Admirals beſuchten mich ebenfalls zuweilen und legten ſo viel Mitgefühl und Theilnahme für mich und meine Lage an den Tag, daß mir mein Gewiſſen die heftigſten, bitterſten Vorwürfe machte über den Frevel oder die Gefahr, welchen ich ſie durch die beabſichtigte Meuterei hatte ausſetzen wollen. Kurzum, die Auftritte, welche ich täglich erlebte, und meine eigene Lage, erweichten mein Herz allmählig, und ich begann nun eine Einſicht in die ſittliche Verwahrloſung meines Gemüths zu erhalten, die nur heilſam und erſprießlich für mich war.
Zwei Monate lang lag ich auf dieſem Gitter,—


