. 62 den armen Harty auf dem Verſchlage ſchwimmen zu ſehen,
allein dies konnte bei der fürchterlich hohl gehenden See
ihm wenig Ausſicht auf Rettung bieten, und es war uns eben ſo unmöglich das Schiff beizudrehen, als ein Boot auszuſetzen. Dies war das erſte Mal, daß ich einen Men⸗ ſchen im Meer umkommen ſah, und trotz des fürchterlichen Sturms und der Gefahr, in welcher das Schiff ſelbſt ſich befand, ging uns doch der Verluſt dieſes trefflichen Bur⸗ ſchen Allen ſehr nahe. Der Kapitän fühlte es ſchmerzlich, wie wir es aus ſeinem Betragen bemerkten, und doch war der Unfall unabwendbar und unvermeidlich.
Wir hatten unſere Segel ſchon früh am Nachmittage
zu verkürzen angefangen, und Harry's Tod ſiel in die erſte Abendwache, d. h. zwiſchen vier und ſechs Uhr Abends; kurz darauf flog die Fockſchote des Backbords über Bord, und eines der Segel zerriß. Die ganze Mannſchaft ward auf's Verdeck gerufen, jeder Fetzen Segeltuch auf⸗ gerollt und die Beſchlag⸗Seißinge umgebunden. Das Schiff ward nun ſo furchtbar umhergeſtoßen, daß es leck zu wer⸗ den begann; die Windſtöße waren ſo furchtbar, daß wir uns gar nicht in den Wind wagen durften, und Sturz⸗ ſeen brachen gerade über den Haupt⸗Puttingen herein, ſtürzten ſich auf's Verdeck und bahnten ſich im Bogen einen Weg, indem ſie Alles wegzuſchwimmen drohten, was nicht niet⸗ und nagelfeſt war. Wir Jungen wurden an die Pumpen gejagt, und uns eifrig zu pumpen anbefohlen, und um das Maas des Uebels voll zu machen, verlor ſich der Weizen jetzt gar bis in's Pumpenſod. Während ſich das Schiff in dieſem Zuſtande befand, zerriß nun gar auch das Hauptmarsſegel, und ließ das Schiff ohne einen Fetzen Segeltuch.— Der„Sterling“ ging auch bei mäßigem Wetter gerne tief in See, und manch liebes Mal ſah ich, wie das Waſſer ſogar zu den Speigatten des Quarter⸗ decks eintrat, und im Tauchen konnte keine Ente behender ſeyn, als unſer Schiff. Da es jetzt ſo tief ging, daß ſogar das Verdeckgut im Waſſer ſchwamm, war es hohe Zeit, daß wir darauf bedacht waren, das Schiff zu erleichtern.
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