3 58 in den Atlantiſchen Ocean hinaus, indem wir gleichwohl immer ſüdlich hielten. Unſere Fahrt war lang, und ſelbſt nachdem wir beſſeres Wetter bekommen hatten, trug uns der Wind bis nach der Inſel Corvo*) herunter, welche wir umſegelten, um ſodann wieder nach Norden zu ſteuern. Wir hatten indeß einmal einen heftigen Stoßwind, der uns nöthigte, zu lenſſen(vor dem Winde zu laufen), da der „Sterling“ eines der leckſten Schiffe war, die je ſchwam⸗ men, ſobald er gegen eine heftige See anfahren mußte. Als wir uns der amerikaniſchen Küſte näherten, ſpra⸗ chen wir mit einer engliſchen Brigg, die uns eine Schil⸗ derung des Kampfes zwiſchen dem„Leopard“ und dem „Cheſapeake“ gab, obwohl ſie zugeſtand, daß ihre Lands⸗ leute im Nachtheil geweſen wären. Herr Irish brach in bittere Schmähungen aus, als der Lootſe uns den wahren Stand der Dinge meldete. Wie es der Zufall bei unſerem Schiffe ſtets fügte, mußten wir uns mit der Fluth in die Bucht und den Strom treiben laſſen, und legten uns endlich wohlbehalten längs der Löſchungsplätze von Phila⸗ delphia vor Anker. Hier ward natürlich unſere Beman⸗ nung wieder entlaſſen, und ich ſah, mit Ausnahme von Jack Pugh, meinem Lehrgenoſſen, und Cooper, ſpäter nie⸗ mals wieder auch nur Einen von dieſen Allen. Die Meiſten von ihnen begaben ſich von hier nach New⸗York, und wurden dort von dem großen Strudel der Seeleute
verſchlungen. Herr Irish ſoll, wie ich ſpäter hörte, auf
ſeiner nächſten Reiſe, als Oberſteuermann eines Oſtindien⸗ fahrers geſtorben ſeyn; er war ein ausnehmend tüchtiger und geſchickter Mann und ganz geeignet, ein Schiff zu befehligen.— Dies war unſere erſte Seereiſe, denn die
einſtige Ueberfahrt von Halifar nach New⸗York laͤßt ſich
für nichts rechnen. Ich war zwar nur in der Kajüte ge⸗ halten worden, allein unſer Leben war darum doch nicht minder ein ſehr thätiges geweſen. Der„Sterling“ mochte
auf dieſer Fahrt wohl zwiſchen fünfzig und hundert Mal
*) Eine kleine Inſel, zur Gruppe der Azoren gehörend.


