487
Feind bei einer ſo ſchweren Probe eine unmännliche Schwäche zeigen würde.„Sie iſt in der Nähe.“
„Ich ſagte, mein Herz iſt Stein,“ erwiederte kalt der Narraganſett.
„Schau hin; das Mädchen kriecht wie ein geſcheuchtes Reb⸗ huhn unter den Blättern. Wenn mein Bruder Conanchet auſ⸗ ſchauen will, wird er ſeine Geliebte ſehen.“
Das Geſicht Conanchet's verfinſterte ſich, verieth aber kein Schwanken.
„Wenn der Sachem ſich fürchtet, in Gegenwart eines Mohiganers mit ſeiner Frau zu ſprechen, ſo wollen wir in's Gebüſch gehen. Ein Krieger iſt kein neugieriges Mädchen, daß er wünſchen ſollte, den Kummer eines Häuptlings anzuſehen.“
Conanchet fuhr haſtig mit der Hand an ſeine Seite, als ſuchte er eine Waffe, um ſeinen Feind zu Boden zu ſtrecken. In dieſem Augenblick aber ſtahl ſich ein leiſer, klagender Ton von einer nahe Hinzugetretenen in ſein Ohr, der plötzlich dem Sturme der Leidenſchaft eine andere Richtung gab.
„Will ein Sachem ſeinen Knaben nicht ſehen?“ fragte ſie flehend.„Es iſt der Sohn eines großen Kriegers; warum blickt ſein Vater ihn ſo düſter an?“
Narra⸗Mattah war nahe genug, um ihn mit der Hand erreichen zu können, und hielt ihm zugleich das Pfand ihres frühern Glückes hin, als wollte ſie um einen letzten Liebes⸗ und Erkennungs⸗ Blick bitten.
„Will der große Narragenſett ſeinen Knaben nicht ſehen?“ wiederholte ſie in Tönen, welche wie ein kaum hörbares Trauerlied klangen.„Warum blickt er ein Weib ſeines Stammes ſo düſter an?“
Selbſt die herben Züge des Sagamors der Mohiganer zeugten von Rührung. Er winkte ſeinen grimmigen Bluthunden, hinter den Baum zurückzutreten, und ging ſelbſt mit der edlen Miene, die
der Wilde gewinnt, wenn ſeine beſſeren Gefühle vorherrſchen, bei


