8 9U RN
☛&
Grauſamkeiten geſchützt werde, welche die Wilden nur zu gern an ihren Opfern begehen. Er hatte ſich ſogar freiwillig angeboten, bei der Urtheilsvollſtreckung mit zugegen zu ſeyn, um das, wozu er gerathen, genau befolgt zu ſehen, obgleich er hierbei ſeinen natür⸗ lichen Gefühlen Gewalt anthat. Der Leſer beurtheile daher ſein Betragen in dieſem Falle mit der Milde, die eine billige Erwägung des Zuſtandes des Landes und der damaligen Sitten heiſcht. Aber ſelbſt bei allen Vorurtheilen konnte Dudley den menſchlicheren An⸗ muthungen ſeines Innern nicht widerſtehen, und als er jetzt den Uncas anredete, geſchah es nicht ohne Schwanken des Entſchluſſes, nicht ohne den Wunſch, den Gefangenen noch zu retten.
„Ein glücklicher Zufall, Mohiganer,“ ſagte er,„und einige Unterſtützung von Seiten der Weißen, hat dieſen Narragenſett in Deine Hände geliefert. Es iſt nicht zu leugnen, daß die Commiſſa⸗ rien der Kolonie Dir erlaubt haben, mit ſeinem Leben nach Deinem Gutdünken zu verfahren; aber in jeder Menſchenbruſt iſt eine Stimme, welche lauter ſprechen ſollte, als die Stimme der Rache: es iſt die Stimme des Erbarmens. Noch iſt es nicht zu ſpät, ihr zu folgen. Nimm das Verſprechen des Narraganſett für ſeine Treue
. nimm mehr, nimm dieſes Kind als Geißel, das nebſt ſeiner Mutter von den Engländern bewacht werden ſoll, und laß den Ge⸗ fangenen gehen.“
„Mein Bruder fordert mit weitem Munde!“ ſagte Uncas trocken.
„Ich weiß nicht, wie es kommt, daß ich dieſe Bitte ſo ange⸗ legentlich thue,“ fuhr Dudley fort,„allein das Geſicht und Weſen dieſes Indianers rufen mir alte Erinnerungen und einſt erfahrene Gefälligkeiten in's Gedächtniß. Und auch an dieſes Weib hier knüpft ſich das Andenken von ſo mancher Stunde; ſie hängt mit einer Familie der Kolonie zuſammen, mit einem ſtärkern Bande, als das der gewöhnlichen Menſchenliebe..... Mohiganer, ich will noch ein ſtattliches Geſchenk an Pulver und Gewehren hinzu⸗


