ihres Bewußtſeyns; denn zu ſehr war ſie vertraut mit allen Ge⸗ bräuchen und Anſichten des Volkes, unter welchem ſie gelebt, als daß ſie nicht die ganze Gefahr, in der ihr Gatte ſchwebte, hätte begreifen ſollen.
„Der Sachem der Narraganſetts Gefangener des Uncas der Mohiganer!“ wiederholte ſie für ſich, gleichſam als wenn ſie mit dem Tone ihrer Stimme irgend ein ſchreckliches Wahnbild von ſich ſcheuchen wollte.„Nein, Uncas iſt kein Krieger, der Conanchet tödten kann!“—
„Höre auf meine Worte,“ ſagte der Häuptling, indem er den Arm ſeines Weibes berührte, wie man einen Freund aus einem tiefen Schlaf zu wecken pflegt.„In dieſem Walde hält ſich ein Bleicher Mann auf, ein in Höhlen ſich verkriechender Fuchs. Er verbirgt ſein Haupt vor den Yengihs. Als ſein Volk uns auf die Spur kam, heulend wie hungrige Wölfe, da traute dieſer Mann einem Sagamor. Es war eine flinke Jagd, und mein Vater fängt an, alt zu werden. Er beſtieg einen jungen Wallnußbaum gleich einem Bär, und Conanchet lockte die lügneriſchen Weißen von der Stelle hinweg. Aber Conanchet iſt kein Mooſethier. Sein Fuß kann nicht gehen wie ſließend Waſſer, in einem fort!“
„Und warum hat der große Narraganſett ſein Leben für einen Fremdling hingegeben?“
„Der Weiße iſt ein Tapferer;“ erwiederte der Sachem ſtolz: „Er hat das Scalp eines Sagamor genommen!“
Narra⸗Mattah ſchwieg wieder. Dumpf brütete ihre Seele
über der ſchreckvollen Gewißheit.
„Der Große Geiſt ſieht, daß der Mann und ſein Weib von verſchiedenen Stämmen ſind,“ antwortete ſie zagend.„Er will, daß ſie zu einem und demſelben Volke gehören. Conanchet verlaſſe die Wälder und gehe mit der Mutter ſeines Knaben in die Lichtung. Ihr weißer Vater wird ſich freuen, und der Mohiganer Uncas wird es nicht wagen, dem Häuptling dahin zu folgen.“
Die Beweinte von Wiſh⸗Ton⸗Wiſh. 2. Aufl. 31


