Teil eines Werkes 
9 (1851) Die Beweinte von Wish-Ton-Wish oder die Puritaner in Connecticut / von J. F. Cooper ; Aus dem Englischen von Dr. Gottfr. Friedenberg
Entstehung
Einzelbild herunterladen

474

bliebenen Koloniſten ſich ihm näherten, ſchien er aus ſeinem Hin⸗ brüten zu erwachen.

„Meine Leute haben geſagt, es ſoll keine Wölfe mehr in den Wäldern geben,“ ſprach Uncas:„und haben unſern jungen Maͤnnern befohlen, den hungrigſten aller Wölfe zu tödten.“

„Es iſt gut;“ erwiederte kalt der Andere.

Ein Schimmer der Bewunderung, vielleicht der Menſchlichkeit, überflog das grimmige Geſicht des Uncas, als er die Ruhe an⸗ ſtaunte, welche die männlichen Züge des Schlachtopfers verklärten. Sein Entſchluß ward auf einen Augenblick ſchwankend, und er fügte hinzu:

„Die Mohigans ſind ein großer Stamm! das Geſchlecht der Uncas nimmt ab. Unſer Bruder bemale ſein Geſicht, ſo werden die lügenden Narraganſetts ihn nicht wieder erkennen, und er wird ein Krieger auf dem Feſtlande ſeyn.“

In Conanchet's edlem Gemüth bewirkte dieſe mildere Stimmung ſeines Feindes ein gleichartiges Gefühl. Aus ſeinem Auge ſchwand der unbeugſame Stolz, und weicher, menſchlicher ward ſein Blick. Eine ganze Minute lang ſchien er angeſtrengt nachzudenken, während welcher ein leiſes, kaum ſichtbar werdendes Beben um ſeine Lippen ſpielte, dann ſprach er:

„Mohiganer, warum ſollten Deine jungen Leute Eile haben! Mein Sealp bleibt morgen noch das Scalp eines Großen Häupt⸗ lings, und zwei werden nicht daraus, wenn ſie es auch jetzt nehmen.“

„Hat Conanchet etwas vergeſſen, daß er nicht bereit iſt?“

„Sachem, er iſt ſtets bereit..... Aber.....“ er hielt inne, und ſprach die nächſten Worte mit bebender Stimme:„lebt ein Mohigan unbeweibt?“

„Wie viele Sonnen verlangt der Narraganſett?“

„Eine; wann die Fichte dort mit der Spitze ihres Schattens den Bach berührt, iſt Conanchet bereit. Er wird dann in ihrem

Schatten ſtehen mit nackten Händen.“

———