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licher Angſt, als wolle er durch die Kraft ſeiner Liebe
das entfliehende Leben zurückhalten. Aber das Geſicht
Iſabella's ward länger, die prächtigen ſchwarzen Augen
umflorten ſich, das Kinn fiel herab, noch ein letztes Aufröcheln— und Alles war vorüber!
Iſabella, die Künſtlerin war todt, der Lorbeer hatte ſie getödtet. Breiten warf ſich ſchluchzend über die Leiche. Vom nahen Kirchthurm aber ſchlug es in zwölf mächtigen Schlägen die Mitternachtsſtunde! Das alte Jahr war vollendet, mit ihm, einem leuchtenden Meteor gleich, das Leben der Künſtlerin erloſchen.
Das Schickſal hatte durch den Tod die letzte Hand auf eine Verbindung gelegt, welche ſolange zu verhin⸗ dern es verſtanden.
So hatte das alte Jahr geendet, das Neue begonnen und„Proſit Neujahr“ ertönte es herauf von der Straße, aus dem Munde jubelnder heimkehrender Neujahrszecher, in ſchneidendem Contraſte zu der ſtillen Todten da oben.
Nach zwei Tagen trugen ſie die bleiche Künſtlerin hinaus, um ſie in die kühle Erde zu betten und nach Jahr und Tag war die Gefeierte vergeſſen. Nur in einem Herzen lebte ſie fort, in jenem Breitens.


