da Hörwald's Kind nicht nach München zuſtändig, dort nicht geboren war. Was ſollte ich thun? Der einzige Ausweg blieb mir, des räthſelhaften Stiefbru⸗ ders Rückkehr abzuwarten. Doch ſollte ich dies hier in der Stadt des Schreckens thun, in welcher täglich ſo viele Opfer der entſetzlichen Seuche fielen? Konnte
nicht auch das zarte, meinem Schutze anvertraute Kind
davon ergriffen werden, oder ich, der es zu ſeiner Mut⸗ ter bringen ſollte? Und überdies konnte jener Herr Meier nicht ebenſo gut ein Betrüger ſein, der die all⸗ gemeine Verwirrung nur benutzte! All' dieſe Ueber⸗ legungen beſtimmten mich zu dem Entſchluſſe, mit der Kleinen zu meiner Gattin heimzukehren, nachdem ich Frau Bard meine genaue Adreſſe zurückgelaſſen hatte für den räthſelhaften Stiefbruder, den ich ſelbſt ſehen,
ſelbſt ſprechen wollte, bevor ich das arme Kind ſeinem
Schutze anvertraute.
So kehrte ich denn heim mit der Kleinen zu mei⸗ ner Gattin. Anfangs ängſtigte mich der Gedanke, daß ſie das Kind nicht aufnehmen würde; doch ich täuſchte mich. Mit wahrhaft weiblicher Milde und Güte nahm
ſie ſich des vater⸗ und mutterloſen Kindes an. Von
jener Zeit an knüpfte das kleine Weſen ein Band um mich und meine Gattin, das Band der Eintracht, des Vertrauens!


