7 ich es zu ſeiner Mutter brächte. Er war mithin wirk⸗ lich in dem Glauben geſtorben, mir den Familiennamen ſeiner Gattin deutlich geſchrieben zu haben.
Frau Bard zeigte mir das Kind. Es war ein Mädchen von ungefähr einem halben Jahre, das in einem reinlichen Bettchen lag. Es hob die Aermchen gegen mich und lächelte mir zusund fing an zu zap⸗ peln und zu ſchreien. Ich nahm das Kind in meine Arme, es jauchzte mir entgegen. Ich, der ich nie ein Kind gehabt hatte, in mir erwachte plötzlich die ganze Sehnſucht nach einem ſolchen. Wie! Wenn ich das Kind behielte? Hatte ſein Vater es mir nicht anver⸗ traut? Aber nein, das durfte ich ja nicht; meine Pflicht war, es zu ſeiner mir unbekannten Mutter zu bringen!
Ich machte bei der Behörde von dem Geſchehenen Anzeige, bat um Auskunft über Hörwald's Gattin, wie deſſen Nachlaß; man konnte mir keine geben. Hör⸗ wald war nicht bei der Polizei eingeſchrieben. Ob aus Fahrläſſigkeit oder Abſicht, wer vermochte mir dies zu ſagen!
Ich bat um Beiſtand in dieſer Angelegenheit. Man wies mich ab, denn man wollte ſich in dieſer Zeit des Schreckens und der Rathloſigkeit, die alle Gemüther bei Ausbruch der Cholera ergriffen zu haben ſchien, nicht auch noch mit fremden Angelegenheiten befaſſen,


