Teil eines Werkes 
3. Bd. (1873)
Entstehung
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Seuche erlegen, die damals in ſo furchtbarer Art dort wüthete. Ich fand in ſeiner Wohnung nur die Haus⸗ beſitzerin ſelbſt vor, alle andern Partheien waren vor der Cholera entflohen. Die Hausfrau war jene Frau Bard, welcher mein Freund ſein Kind anvertraut hatte. Sie wußte mir über die näheren Verhältniſſe meines Freundes, der mit ſeiner Frau erſt ſeit Kurzem bei ihr wohnte, nichts mitzutheilen, da ſie ſich nie über dieſelben erkundigt hatte. Sie erzählte mir nur, daß vor wenigen Tagen, gleich nach dem Tode Hörwald's, ein Stiefbruder des Verſtorbenen Namens Meier da⸗ geweſen ſei, der das Leichenbegängniß beſorgt und alle Familienpapiere an ſich genommen, auch verſprochen habe, in einigen Tagen wieder zu kommen, um die Kleine mitzunehmen. Ich ſtaunte nicht wenig über dieſe Nachricht, da ich genau wußte, daß Oskar nie⸗ mals einen Stiefbruder gehabt. Meine Vermuthung konnte aber nur die ſein, daß der pſeudonyme Stief⸗ bruder ein Abgeſandter von Hörwald's Gattin geweſen! Aber weshalb hatte er dann das Kind nicht gleich mit ſich genommen?

Frau Bard wußte wer ich war, denn ſie war es geweſen, welche die Adreſſe auf meinen Brief geſchrie⸗ ben. Noch vor ſeinem Tode bat Oskar Frau Bard, mir das Kind zu übergeben, im Fall ich käme, damit

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