Teil eines Werkes 
3. Bd. (1873)
Entstehung
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meine Kleine zu Dir, ſie iſt bei Frau Bard in Koſt, und bringe ſie zu ihrer armen Mutter, die ich grüße. Meine Gattin iſt die Tochter des....*. Der fol⸗ gende Name iſt ſo undeutlich geſchrieben, wie Du ſelbſt ſehen wirſt, daß kein Menſch ihn enträthſeln konnte. Offenbar hatte den Schwerkranken die Kraft verlaſſen, die Feder ordentlich zu führen, und er ſtarb viellecht in dem frohen Bewußtſein, ſein Geheimniß mir vor dem Scheiden anvertraut zu haben.

Ich ſtand vor einem unenthüllten Räthſel. Wie betäubt ſtarrte ich die Schriftzüge meines armen Freun⸗ des an. Die entſetzensvolle Thatſache, daß die Lebens⸗ thätigkeit Hörwald's gerade in dem Momente aufgehört, in welchem er mir ein Geheimniß hatte enthüllen wollen, das für ſein Kind ſo wichtig, lähmte für einen Mo⸗ ment meine moraliſchen Kräfte. Aber noch war nicht Alles verloren, er ſelbſt vielleicht noch am Leben, im ſchlimmſten Falle die Mutter des Kindes, die wohl zu erforſchen war und die ſich gewiß bald um ihr Kind bekümmern würde.

Dieſe Erwägungen gaben mir meine Hoffnungen wieder. So raſch als möglich reiſte ich ab, indeß die Zeit, bis zu welcher mein Urlaub mir bewilligt wurde, war, obgleich ſehr kurz, doch zu lang. Bis ich in Mün⸗ chen ankam, war mein armer Freund bereits der