mein Freund vor mir hatte, und ich kannte ihn zu ge⸗ nau, um nicht zu wiſſen, daß es von großer Wichtig⸗ keit ſein müſſe, wenn er es ſelbſt mir nicht anvertraute. Seine Briefe athmeten das Glück ſeiner Ehe. Den Grundbeſitz ſeines Onkels verkaufte er und lebte nun zurückgezogen in München. Er gab mir nach einiger Zeit bekannt, daß ſeine Frau zu ihren Angehörigen gereiſt ſei, da ihr Vater ſchwer erkrankt und daß er ihr dahin zu folgen beabſichtige, da nun Alles klar in ſeiner Ehe werden ſolle. Er bedauerte, mich nicht in der Nähe zu haben, um mir ſein kleines Mädchen an⸗ vertrauen zu können, das noch zu klein ſei, um eine Reiſe zu unternehmen und welches er während ſeiner kurzen Abweſenheit in einen ſicheren Koſtort geben wolle. Ich erwartete nun, längere Zeit keinerlei Nachrichten zu erhalten; wie ſtaunte ich daher, als ſchon in den nächſten Tagen ein Brief anlangte, deſſen an mich ge⸗ richtete Adreſſe zwar eine andere Handſchrift trug, in
welchem aber von Oskar's Hand die wenigen Worte
mit Anſtrengung geſchrieben ſtanden, die ich Dir bei⸗ lege und die alſo lauteten:
„„Eile ſo ſchnell Du kannſt zu mir, ich bin ſchwer erkrankt; ich fürchte, meine Tage ſind gezählt. Mein armes Kind!— Sollte ich ein Opfer der giftigen Seuche werden, die hier ausgebrochen, dann nimm
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