Teil eines Werkes 
3. Bd. (1873)
Entstehung
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reichen Grundbeſitzer zu ziehen. Wir mußten uns tren⸗ nen, aber unſere gegenſeitigen Briefe bildeten unſern Troſt.

So verfloſſen die Jahre. Ich war in Wien in Garniſon und längſt verheirathet, als ich von Oskar einen Brief erhielt, in welchem er mir mittheilte, daß ſein Onkel geſtorben und er deſſen Univerſalerbe ge⸗ worden ſei. Zugleich gab er mir bekannt, daß er ſelbſt im Begriff ſtehe, ſich zu verheirathen. Trotzdem dieſer Brief meines Freundes die alte Herzlichkeit gegen mich athmete, entging mir doch ein Zug des Geheimnißvollen nicht, welcher denſelben durchwehte. Dies war auch der Fall mit allen nachfolgenden Briefen, die mir ſeine ſtattgehabte Vermählung und endlich die Geburt eines Kindes anzeigten. Den Familiennamen ſeiner Frau verſchwieg er, und theilte mir nur mit, daß er dieſelbe auf einer Reiſe kennen gelernt.

Ich ſchrieb ihm hierüber, und erhielt zur Antwort, daß er mir vorläufig noch den Namen ſeiner Gattin verſchweigen müſſe, indem dieſelbe, als die Tochter eines ſtolzen Ariſtokraten, ihre Ehe mit einem Bürger⸗ lichen noch zu verheimlichen gezwungen ſei. Sobald Zeit und Umſtände eine Eröffnung geſtatten würden, ſchrieb Oskar, ſolle ich der Erſte ſein, dem Alles mit⸗ getheilt werde. Es war das erſte Geheimniß, das

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