204
Menſch, den Niemand kennt, der dauert mich. Es iſt
freilich wahr, zu was hat er es nöthig, hier ſchon im
erſten Kapitel ſeinen Helden dem Publicum auf ſolche Weiſe und gar noch auf kahler Haide vorzuführen. Meint er am Ende gar, daß durch ein ſolches Hin⸗ ſtarren Vergißmeinnicht aus dem kahlen Boden ſprie⸗ ßen werden, oder bildet er ſich ein, daß die Leſewuth des Publikums ſo groß iſt, um gedankenloſes Hin⸗ ſtarren auf eine ausgedörrte Haide gar für einen ge⸗ nialen Schachzug zu erklären? Armer Teufel von einem Autoren! Keine Gedanken und dazu Niemand, der Dir Reklame gemacht!? Da hatte ich es geſtern beſſer bei meiner Beſprechung der diesmonatlichen Kunſtaus⸗ ſtellung. Es war aber auch eine wahre Perle, dieſe „Furcht vor dem Gewitter“! Ich ſehe es noch vor
mir, das nette kleine Mädchen mit den angſterfüllten
Zügen und den großen ſcheublickenden ſchwarzen Augen, wie es furchtbebend oben auf einer Ruine ſteht. Das war Wahrheit, erquickende Friſche! Wer nur der Künſtler ſein mag? Ich habe den Namen noch nicht gehört unter der Maſſe von Malern, die unſere Ausſtellung unſicher machen. Er heißt——“
Ein leiſes Pochen an der Thür unterbrach das Selbſtgeſpräch. Ein junger Mann trat ein und näherte ſich dem aufblickenden Schriftſteller.


