138 Zu ganzen Wochen und Monaten war es ſtill um ſie her. Weder ihr Tyrann, noch der Graumantel, noch das alte Muͤtterchen ließen ſich ſehen. Die Spaßmacherei, die man mit ihr trieb, wurde ihr laͤſtig, ohngeachtet ſie an nichts Mangel litt. Sie ſehnte ſich nach Freiheit. Traͤume und Ahnungen beſchaͤftigten ſie bei Tag nnd bei Nacht. Heinrich war immer der Gegen⸗ ſtand derſelben; ein geyeimes Gefuhl ſagte ihr, daß er, ob er gleich dem Gluck im Schooſe ſaß⸗ ohne ſie nicht wuͤrde leben koͤnnen.
Zuweilen und ſelten nur wurden dieſe Gedan⸗ ken durch andere verdraͤngt, wenn die Todten⸗ ſtille ihres Aufenthalts mit einem fürchterlichen Gepolter, Das oft mehrere Stunden anhielt, abwechſelte, wobei ſie dumpfe, rauhe Stim⸗ men zu hoͤren glaubte, die ihr bange machten und fuͤr ihr Leben und Sicherheit fuͤrchten ließen, w.t ſie ahnete, von Raͤubern umringt zu ſein.
Eilf Monate ſchwanden ihr in dieſer peini⸗ genden Verfaſſung, binnen welcher ſie mehrmals Anfaͤlle von einem verderblichen Fieber verſpuͤr⸗ te, das ihre jugendlichen Kraͤfte verzeheke und ihrer Grazie Vernichtung drohte, ehe der Tag ihrer Erloͤſung anbrach.
Doch ehe wir in der Geſchichte dieſes merk⸗ wuͤrdigen Tags weiter gehen koͤnnen, muͤſſen wir noch einmal in die Stadt zuruͤck, wo Heinrich,
1 als


