130 führte, an deſſen Ausgange ſich die Leuchte ver⸗ lohr und Varbchen im erſten Zwilicht zwiſchen Nacht und Tag ſich auf einer weiten Ebene erblick⸗ te, die ihr ganz unbekannt war.
Der Weg, den ſie zuruͤckgelegt hatt, ſchien
ihr eben ſo beſchwerlich als fuͤrchterlich geweſen zu ſein. Sie mußte ruhen und ihr Fuͤhrer er⸗ laubte ihr, ſich auf einem Steine niederzulaſſen. Himmel! welch' Erſtaunen— Barfuß und in ihrer Hirtenkleidung erblickte ſich itzt Bäaͤrbchen, ohne zu wiſſen, wie das zugegangen war. Ih⸗ re Fuͤße waren wund, ſie konnte nicht mehr laufen— und doch war ſie auf dem Wege, ih⸗ ren Heinrich zu retten?— Siee that unterſchiedliche Fragen an ihren Fuͤhrer, in Ruͤckſicht der Gefahr, die ihrem Heinrich drohte, erhielt aber keine Antwort. Es war ihr faſt nicht moͤglich, weiter zu gehen, ſo ſehr fuͤhlte ſie ſich, theils durch die kalte Nachtluft, theils durch die Beſchwerlichkiiten des uͤber Sand und Steine zuruͤckgelegten Wegs, enttraͤftet.
„Hier koͤnnen wir nicht bleiben“ ſagte ihr Fuͤhrer, nachdem ſie einige Zeit geruht hatte— „die Zeit iſt edel; ein Augenblick und— es iſt „geſchehen.“ Mit dieſen Worten erbarmte er
ſicch des jammernden Maͤdchen, lud ſie auf ſeine


