200
Heckbalken jenes weite Feld, das während der Conferenz verſchwun⸗ den war, und das triumphirend in den Gefahren von tauſend Käm⸗ pfen geweht hatte. Auf dem Gipfel ſeines Gegners war jedoch kein aantwortendes Embleme zu erblicken.
So gewannen die beiden Schiffe Raum, und betrachteten ein⸗ ander mit dem Blicke des Mißtrauens, wie zwei Ungeheuer der un⸗ endlichen Tiefe, die mit grimmigem Auge der Eiferſucht ihre Be⸗ wegungen gegenſeitig bewachen, und deren jedes die nächſte Wen⸗ dung dem Gegner zu verbergen ſucht. Das ernſte, beſonnene Weſen Wilders verfehlte nicht auf den geraden Sinn des Mannes ſeinen Einfluß zu äußern, der den Pfeil befehligte, denn nun war er eben ſo geneigt, wie ſein Lieutenant, das Treffen mit gehöriger Vorbe⸗ reitung und Umſicht zu beginnen.
Bis jetzt war der Tag heiter und wolkenlos geweſen, nie hatte ein reineres Blau die Waſſerwüſte überwölbt, als die Himmelsdecke, die ſich noch kurze Zeit vorher über unſern See⸗Abentheurern aus⸗ dehnte. Jetzt aber, als wenn die Natur ihnen zürnte wegen ihres blutigen Beginnens, zeigte ſich eine finſtere, drohende Dunſtmaſſe über dem Ocean. Dieſe wohlbekannten und düſtern Vorboten entgingen nicht der Wachſamkeit beider Mannſchaften der feindlichen Schiffe, doch wurde die Gefahr für noch zu fern gehalten, als daß ſie das höhere Intereſſe für den bevorſtehenden Kampf vermindern konnte.
„Eine Bö braut dort im Weſten,“ ſagte der erfahrene und bedachtſame Bignall, und deutete auf die finſtern Wolken;„wir können aber den Piraten dran kriegen, und Alles in's Reine brin⸗ gen, ehe ſie ſich ganz heraufgearbeitet hat.“
Wilder bejahte; denn jetzt hatte der hohe Muth des Seemannes ſeine Bruſt geſchwellt, und ein hochſinniger Eifer hatte über Ge⸗ fühle die Oberhand gewonnen, welche vielleicht ſeiner Pflicht fremd waren, ſo natürlich ſie übrigens auch einem Herzen ſein mochten, das der Güte ſo zugänglich war.
„Der Freibeuter läßt auch die leichten Stengen herab!“ rief er aus;„er ſcheint dem Wetter wenig zu trauen.“
„Wir wollen ſeinem Beiſpiel nicht folgen; denn er dürfte leicht wünſchen, daß ſie wieder oben wären, wenn wir ihn hübſch unter unſere Kanonen bringen. So wahr unſer König Georg lebt! er hat ein ſchönes, leichtbewegliches Schiff unter ſich! Laſſen Sie das


