„In dieſer Dame ſehen Sie die Tochter des weiland Kapi⸗ tän——, und die Wittwe des Sohnes unſers alten Komman⸗ deurs, des Contre⸗Admirals de Lacey,“ nahm ſchnell der Geiſtliche das Wort, wohl wiſſend, daß der wohlmeinenden Redlichkeit ſeines Freundes mehr zu trauen war, als ſeiner Klugheit.
„Ich kannte Beide; es waren ein Paar wackere und geſchickte Seemänner. Dieſe Dame war mir als Ihre Freundin ſchon will⸗ kommen, doppelt aber als die Wittwe und Tochter der Edeln, die Sie genannt haben.“
„De Lacey!“ flüſterte eine bewegte Stimme der Gouvernante in's Ohr.
„Die Geſetze geben mir ein Recht auf dieſen Namen,“ erwie⸗ derte ſie, die wir fortan noch bei ihrem angenommenen Namen nennen wollen, und ſenkte ihre Wimper.„Der Schleier iſt uner⸗ wartet weggezogen, meine Liebe, und nun ſoll auch kein Geheimniß mehr ſtattfinden. Mein Vater war Kapitän des Flaggenſchiffes. Die Umſtände nöthigten ihn, mich mehr und länger in der Geſell⸗ ſchaft Ihres jungen Verwandten zu laſſen, als geſchehen wäre, wenn er die Folgen hätte vorausſehen können. Sein Stolz aber und ſeine Armuth, beides war mir zu wohl bekannt, als daß ich hätte wagen dürfen, ihn über mein Schickſal entſcheiden zu laſſen; da meiner unerfahrenen Einbildungskraft die Wahl ſchwerer fiel, als ſein Zorn. Wir wurden insgeheim von dieſem Herrn getraut, und Niemand wußte um dieſe Verbindung. Der Tod——“
Die Stimme verſagte der Wittwe, ſie gab dem Kaplan ein Zeichen, als erſuchte ſie ihn, in der Erzählung fortzufahren.
„Mr. de Lacey und ſein Schwiegervater fielen in einem und demſelben Treffen, bald nach der Einſegnung;“ ſetzte die gedämpfte Stimme Mertons hinzu.„Sie ſelbſt, theure Freundin, erfuhren nie die nähern traurigen Umſtände ihres Endes. Ich war ein ein⸗ ſamer Zeuge ihres Todes; denn mir waren Beide anvertraut, mit⸗ ten unter dem Gewühl der Schlacht. Ihr Blut vermiſchte ſich, und Ihr Vater ſegnete den jungen Helden, und wußte nicht, daß er ſeinen Sohn ſegnete.“*
„Ohl ich betrog den edlen Mann, und theuer büßte ich das Vergehen!“ rief die Wittwe aus, die ſich ſelber demüthigte.„Sagen Sie mir, Merton, erfuhr er jemals meine Ehe?“
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