„Nein! Mr. de Lacey ſtarb zuerſt und an ſeiner Bruſt, denn von jeher hatte er ihn kindlich geliebt; andere Gedanken aber, als unnütze Erklärungen, hatten die Oberhand in ihrem Gemüthe.“
„Gertrude,“ ſagte die Gouvernante in dem dumpfen Tone bitterer Reue;„es gibt keine Ruhe für unſer ſchwaches Geſchlecht, als in der Unterwerfung; kein Glück, als im Gehorſam.“
„Es iſt nun vorüber,“ flüſterte das weinende Mädchen,„Alles vorüber und vergeſſen. Ich bin nun Ihr Kind— Ihre eigene Gertrude,— das Geſchöpf Ihrer bildenden Hand.“——
„Harry Arche!“ rief jetzt Bignall aus, und erweiterte ſeine Kehle mit einer ſo kräftigen Stimme, als hätte er auf dem Außen⸗ deck gehört ſein wollen; zugleich ergriff er ſeinen Lieutenant am Arm und zog ihn bei Seite.„Was für ein Teufel hält dich be⸗ ſeſſen? Du vergiſſeſt, daß ich noch immer von deinen Abentheuern ſo wenig weiß, als der erſte Miniſter Sr. Majeſtät von der Schiff⸗ fahrt. Wie kommt's, daß ich dich hier ſehe, als Beſuch von einem königlichen Kreuzer her; während ich dachte, daß du den hohnnecken⸗ den Piraten in's Garn lockteſt? Und wie kam denn der Hans⸗ wurſt von Adelsſchößling zu einer ſo guten Geſellſchaft und einem ſo tüchtigen Schiff?“
Wilder holte einen langen und tiefen Athemzug, wie aus freundlichem Traume erwachend, und ließ ſich nur ungern von einer Stelle wegziehen, wo er ohne Ermüdung ewig hätte bleiben können.
Fünfzehntes Kapitel.
Schweigend hatten der Befehlshaber des Pfeil und ſein Lieu⸗ tenant das Hinterdeck erreicht. Das Erſte, was Wilders Augen ſuchten, war das benachbarte Schiff; ſein Blick aber bewegte ſich ſo unſtät und verwirrt, daß man daraus auf eine momentane Ab⸗ weichung ſeiner Verſtandesfähigkeiten hätte ſchließen können.
Des Freibeuters Schiff aber lag drüben mit dem ganzen ſchö⸗ nen und bewundernswerthen Ebenmaaß ſeines Baues. Es ſtand


