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Der rothe Seeräuber : eine Erzählung / von John Fenimoore Cooper. Für die reifere Jugend frei bearb. von Franz Hoffmann
Entstehung
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182 ten Scene mit warmer Röthe übergoſſen und von einer Lieblichkeit ſtrahlend, die meiſt der Ausdruck ihrer kindlichen Unſchuld war, auf ſeinem Deck erſchien, rieb der alte Veteran mit einem Erſtaunen ſeine Augen, das nicht größer hätte ſein können, wenn wirklich eines jener Weſen, von denen der Freibeuter geſprochen hatte, von dem Firmament herab ihm zu Füßen gefallen wäre!

„Der herzloſe Schurke!“ rief der würdige alte Matroſe,„eine ſo liebenswürdige Jugend zu entführen! Ha! bei meinem Leben! mein eigener Lieutenant! Was iſt das? Mr. Arche! Iſt denn heute der Tag der Wunder?“

Ein Ausruf der Gouvernante aus der Tiefe ihres Herzens, und eine leiſere und klagende Antwort des Geiſtlichen unterbrachen die Fortſetzung ſeiner Ausdrücke von Unwillen und Verwunderung.

„Kapitän Bignall,“ bemerkte Erſterer, und deutete auf die wankende Geſtalt, die ſich auf Wilder ſtützte,„bei meinem Leben, Sie irren ſich in dem Charakter dieſer Damen. Es iſt länger, als zwanzig Jahre, daß wir uns zum letzten Male geſehen haben, aber ich bürge mit meinem eigenen Charakter für die Reinheit des ihrigen.“—.

„Führen Sie mich in die Kajüte,“ bat leiſe Mrß. Wyllys. „Gertrude, liebe Gertrude, wo ſind wir? Bringen Sie mich an einen einſamen Ort.“

Ihrem Verlangen ward willfahrt; die ganze Gruppe begab ſich zuſammen aus dem Geſichtskreiſe der Zuſchauer, die ſich auf dem Decke zuſammengedrängt hatten. Unten erlangte die tiefbe⸗ wegte Gouvernante ihre Faſſung wieder, und dann ſuchte ihr un⸗

ruhiges Auge das beſcheidene, von reger Theilnahme etwas ſchmerz⸗

lich verzogene Antlitz des Kaplaus.

„Ol welch ein ſpätes und herzzerreißendes Wiederſehen,“ ſagte ſie, und preßte ſeine Hand an ihre Lippen.„Gertrude, in dieſem Herrn ſehen Sie den Prieſter, der mich mit dem Manne vereinigte, welcher einſt das Glück und der Stolz meines Lebens war.“

„Betrauern Sie nicht ſeinen Verluſt!“ flüſterte der ehrwürdige Prieſter, über ihren Stuhl gebeugt, mit dem herzlichen Antheile eines Vaters,„er ward in früher Zeit von Ihnen genommen; er ſtarb aber ſo, wie es Alle, die ihn kannten, nur wünſchen mochten.“