162
Scharfblick, mit welchem der Stutzer der Hauptſtadt die Ausſtaffi⸗ rung des Kleinſtädters muſtert, der zum erſten Male vor ihm er⸗ ſcheint. Sein Oberer wiederholte ſeine Einladung mit Wärme, winkte mit ſeiner Hand einen freimüthigen, langen Abſchiedsgruß zu, und ließ ſo in ſeiner Unwiſſenheit den Mann entwiſchen, deſſen Fang ihm die lange hinausgeſetzten und noch entfernten Vortheile erworben hätte, um deren Beſitz er ſich mit der quälenden Sehn⸗ ſucht einer grauſam immer von Neuem ſich verſchiebenden Hoffnung innerlich abhärmte.
Vierzehntes Kapitel.
„Ja!“ brummte der Freibeuter, als ſein Boot unter dem Spiegel des Kreuzers der Krone wegglitt,„ja! ich und meine Offi⸗ ziere, wir wollen bei euerm Bankett ſein! Die Speiſen aber ſollen dieſen Miethlingen des Königs nicht behagen!— Stoßt kräftig zu, Leutchen ſtoßt! in einer Stunde ſollt ihr zur Belohnung die Schiffsräume dieſes Gecken durchſtöbern.“
Die gierigen Freibeuter, welche die Ruder führten, vermochten kaum ihr Freudengeſchrei zurückzuhalten, was doch die Klugheit noch zu vermeiden gebot, ſie machten indeſſen ihren erregten Gefühlen in erhöhten Anſtrengungen Luft, in deren Folge die Pinnaſſe pfeil⸗ ſchnell über die Fluthen eilte, und in der nächſten Minute befan⸗ den ſich die ſämmtlichen Abentheurer wieder unter den ſchirmenden Kanonen ihres Delphin.
Aus den kühnen Blitzen, die in dem Auge des Freibeuters leuchteten, als ſein Fuß wieder das Deck ſeines eigenen Schiffes betrat, erſah die Mannſchaft, daß der Moment eines entſcheidenden Schrittes eingetreten war. Einen Augenblick verweilte er und über⸗ blickte mit ſchrecklichem Behagen das ganze Gebäude, das er, der verwegene Uebertreter des Geſetzes, befehligte; dann trat er raſch, ohne ein Wort zu ſprechen, in ſeine eigene Kajüte. Entweder hatte
er vergeſſen, daß er ſie Andern zum Gebrauche überlaſſen, oder


