„Gott ſegne Dich!— moͤge er mir gnaͤdig ſein!«
Eine kurze Pauſe trat ein. Der Einſiedler naͤ⸗ herte ſich ihr, und erhob ſeine Haͤnde wie zum Se⸗ gen; zweimal ſchien er die widerſtandloſe Ulrike an ſeine Bruſt preſſen zu wollen— allein ihr mildes, thraͤnenuͤberſtroͤmtes Antlitz hielt ihn zuruͤck, und ein Gebet murmelnd, ſtuͤrzte er aus der Huͤtte fort. Allein gelaſſen, ſank Ulrike auf einen Stuhl, und ſaß da ein Bild des Schmerzes, und reichliche Thraͤ⸗ nen floſſen uͤber ihre Wangen nieder.
Mehrere Minuten vergingen, bis die Gattin Heinrich Frey's aus ihrem Hinbruͤten erwachte; der Schall von Fußtritten belehrte ſie endlich, daß ſie nicht mehr allein ſei. Zum erſten Male in ihrem Leben bemuͤhte ſich Ulrike, ihre Bewegung ſcham⸗ voll zu verbergen; bevor ſie jedoch dies konnte, wa⸗ ren ſchon der Graf und Heinrich Frey eingetreten.
„Wo iſt der arme Odo von Ritterſtein, gute Frau, dieſer Mann der Suͤnde und des Schmer⸗ zes?« fragte der Letztere in ſeiner herzlichen, arglo⸗ ſen Weiſe.
»Er hat uns verlaſſen, Heinrich.«
»Um ſein Schloß zu beziehen?— Das iſt recht, der Mann hat ſeinen Theil von Schmerzen


