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welcher es wagen ſollte, dieſen Heiligthuͤmern des chriſtlichen Glaubens Gewalt anzuthun«
Nach dieſen inhaltſchweren Worten kehrte ſich der Benedictiner gegen das Crucifix, und verharrte in ſchweigendem Gebet. Eine fuͤr die Angreifenden furchtbare Minute folgte. Zweifelnd ſuchten ſich wechſelſeitig die Blicke, der Eine ſah nach dem hoch⸗ gewoͤlbten Dache, der Andere nach dem ausdrucks⸗ vollen Marienbild, Alle erwarteten ein unmittel⸗ bares Zeichen des goͤttlichen Mißfallens. Der Aus⸗ gang waͤre vielleicht zweifelhaft geweſen, wenn nicht das Hirtenrohr Gottlobs abermals ſehr zur gele⸗ genen Zeit erklungen waͤre. Der liſtige Schelm blies darauf eine wohlbekannte und beliebte Nach⸗ ahmung der Thiere ſeiner Heerde, und vernichtete die Wirkung der eben verlebten Scene mittelſt der Dazwiſchenkunft eines gemeinen Gedankens. Der Einfluß des Poſſirlichen in Augenblicken, wo die Leidenſchaften wanken, und die Vernunft zweifelt, iſt zu wohlbekannt, um einer Eroͤrterung zu beduͤr⸗ fen. Es iſt dies eine der Eigenheiten der menſch⸗ lichen Natur, die alles Vernuͤnfteln in ſeine Schran⸗ ken mittelſt der Ueberzeugung weiſet, daß wir lange nicht jene Verſtandesweſen ſind, welche wir gerne ſein moͤchten.
Das Auskunftsmittel des klugen Gottlob that ſeine volle Wirkung. Selbſt den unwiſſendſten der Mannen des Grafen, ſelbſt denjenigen, welche blind dem verworfenſten Aberglauben huldigten, floͤßte die Kuͤhnheit des Kuhhirten Muth ein; und da ge⸗ wöhnlich die in irgend einem Glauben am mindeſten Befeſtigten am meiſten zu ſeinen Gunſten ſchreien,


