245
hochverehrten Schrein von reicher, getriebener Ar⸗ beit legte, welcher bereits geoͤffnet war,—»dies muß zu Ende gehen.«
»Nimm weg die Waffe, Emich von Leiningen!« ſagte Vater Johann wuͤrdevoll.
Der Graf gehorchte unwillkuͤhrlich.
„»Dies iſt fuͤr die Unglaͤubigen ein ſchrecklicher Augenblick«, fuhr der Moͤnch fort, die Zeit iſt nahe, wo unſere Altaͤre geraͤcht werden,— was weicheſt Du zuruͤck, verwegener Baron?— bleibt bis ans Ende, Ihr entmenſchten und gottvergeſſenen Diener der Ruchloſen, denn Ihr hofft umſonſt dem Gerichte zu entgehen.«
Es lag ein ſolcher ruhiger Enthuſiasmus in dem Benehmen und Vertrauen des Vater Johann, daß, trotz des allgemeinen Wunſches, von den Re⸗ liquien ferne zu ſein, doch die Neugierde und an⸗ geborne religioͤſe Ehrfurcht jeden feſt an ſeinen Platz bannten,— obſchon alle Herzen hoͤher ſchlugen, waͤhrend der Moͤnch ruhig und mit ehrfurchtsvoller Miene fortfuhr, Gebeine von Heiligen, Ueberreſte von ihren Gewaͤndern, vermeintliche Naͤgel des wahrhaften Kreuzes, Splitter von deſſen Holz, und andere aͤhnliche Denkzeichen heiliger Ereigniſſe und frommer Maͤrtyrerzeit auf den Altar zu legen. Kein Fuß regte ſich. Nachdem unter friedlichem Schwei⸗ gen Alles auf dem gluthbeſchienenen Schrein aus⸗ geſtellt war, bekreuzte ſich Vater Johann, und wandte ſich wieder zur Menge.
»Des Himmels verhuͤllten Rathſchluß kenne ich nicht«, ſprach er,»aber verdorren moͤge die Hand, und verflucht ſei fuͤr immer die Seele desjenigen,


