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Menge. Welcher Unterſchied auch zwiſchen den chriſtlichen Sekten in Betreff des Geltenlaſſens der Wunder der neueren Zeit obwalten mag, ſo werden doch Alle zugeben, daß, wenn das Gemuͤth einmal von Jugend auf den Glauben daran eingeſogen hat, es bei weitem weniger vorbereitet iſt, ihrem Einfluſſe zu widerſtehen, als jedem andern, weil die Ohn⸗ macht des Menſchen dabei in geraden Gegenſatz gegen die Macht Gottes kommt. Gegen die Ent⸗ faltung einer ſolchen Gewalt bietet die Natur keine Mittel, und die geheimnißvolle und unſichtbare Kraft, welche die Wunder bewirkt, feſſelt ſowohl die Phantaſie, als ſie die, Allen eingeborne Furcht vor der Allmacht erweckt.
»Es waͤre gut, wenn dies nicht weiter ginge«, fluͤſterte Emich beſorglich zu ſeinen vornehmſten Ge⸗ huͤlfen.
»Nein, Herr Graf«, antwortete Berthold ruhig, es iſt im Gegentheil gut, das Recht kennen zu ler⸗ nen. Iſt unſere Sache nicht die des Himmels, ſo laßt es uns zu unſerem eigenen Nutzen erfahren; wenn aber dieſe Benedictiner bloße Großſprecher ſind, ſo wird unſer Gewiſſen um ſo leichter ſein.«
»Du biſt zu tollkuͤhn, Juͤngling,— Niemand kann das Ende hievon wiſſen! Herr Heinrich, Du ſchweigſt?«
»Was wollt Ihr von einem geringen Buͤrger⸗ meiſter, edler Emich? Ich geſtehe, daß ich es fuͤr Duͤrkheim fuͤr vortheilhafter ſinde, wenn dieſe Sache nicht weiter ginge.«
„»Du hoͤreſt, Benedictiner!« ſprach der Graf, indem er die Spitze ſeiner Schwertſcheide auf den


