Teil eines Werkes 
2. Theil (1832)
Entstehung
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fruchtbaren Gehirn des Vaters aller Suͤnden ſtamm⸗ te. Ihr ſeid im Gefolge Eures Gebieters hieher gekommen, und in eitlem Vertrauen auf eine ſicht⸗ bare, aber vergaͤngliche Macht, ruchlos nach un⸗ heiliger Beute duͤrſtend, und Gottes vergeſſend«

»Bei der Meſſe, Prieſter!« unterbrach Emich ihn,»wir haben von Dir ſchon manche Predigt ge⸗ hoͤrt, jetzt aber draͤngt die Zeit. Wenn Du uns ei⸗ nen Feind entgegen zu ſtellen vermagſt, ſo thu' es, der kirchlichen Verrichtungen aber ſind wir muͤde.«

»Die Stunde Deines ruchloſen Willens iſt ge⸗ weſen, edler Emich, jetzt kommt das Gericht, ſiehſt Du dieſen Schrein mit wunderthaͤtigen Reli⸗ quien, haſt Du vergeſſen, daß Limburg reich an ſolchen Heiligthuͤmern iſt, und daß ihre Kraft bis jetzt nicht verſucht wurde? Wehe dem, der ſie verhoͤhnt, oder ihre Macht verachtet!«

»Halt ein, Johann!« rief der Graf haſtig, als er ſah, daß der Moͤnch einige jener wohlbekannten Ueberreſte von Leichnamen ergriff, denen die roͤmi⸗ ſche Kirche damals, wie auch jetzt noch, Wunder⸗ kraft beimißt.»Dies iſt keine Zeit zu Narrheiten!«

»Du wagſt es, dieſe Heiligthuͤmer mit einem ſo entweihenden Namen zu belegen! wahre Dei⸗ nes Endes, meuchelzuͤngiger Veraͤchter unſerer gott⸗ verliehenen Macht, und triumphire, wenn Du kannſt!«

Der Graf war beſtuͤrzt, denn die Vernunft un⸗ terſtuͤtzte ſeinen Muth viel weniger, als der Ehr⸗ geiz. Auch die Schaar hinter ihm begann zu wan⸗ ken, denn noch immer hatte eine ſolche Entfaltung geiſtlicher Macht einen großen Einfluß auf die 16*