Teil eines Werkes 
2. Theil (1832)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

8

wenn Deine hochgeborne Gemahlin, die edle Ir⸗ mengard, im Schloſſe waͤre, ſo wuͤrden meine Frauen⸗ zimmer es ſich zum Gluͤcke ſchaͤtzen, ſie begruͤßen zu duͤrfen; da ſie jedoch abweſend iſt, ſo fuͤrchte ich, daß dieſelben im Schloſſe mehr zur Laſt fallen, als willkommen ſein wuͤrden.

»Das uͤberlaſſe mir, wackerer Heinrich. Fuͤr dieſe Muͤſſiggaͤnger will ich ſchon Beſchaͤftigung finden. Mithin haſt Du nicht die geringſte Ent⸗ ſchuldigung mehr.

Die offene Herzlichkeit des Grafen ſiegte, ob⸗ ſchon die Einladung ihm nichts weniger als ange⸗ nehm war; allein in jenem Zeitalter ſtand die Gaſt⸗ freiheit ſo hoch, daß man ſich ihren Aufforderungen nicht leicht ohne eine hinreichende Entſchuldigung entziehen konnte. Emich verfuͤgte ſich hierauf zu den Frauen. Er ſtrich ſeinen Bart, kuͤßte Ulriken's Wangen mit freundſchaftlicher Freiheit, und druͤckte dann, Kraft ſeines Ranges und ſeiner Jahre einen Kuß auf die Rubinlippen Meta's. Das Maͤdchen erröthete und lachte, und knixte in ihrer Verwir⸗ rung, gleich als erkenne ſie dankbar die Huld an, die ihr ein ſo vornehmer Mann erwieſen hatte. Heinrich ſelbſt, wie zuwider ihm auch das gecken⸗ hafte Benehmen der beiden Fremden geweſen war,