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geht die Sage, daß die Maurerkelle des Erzfeindes ſelbſt dabei thaͤtig war.«
»Du ſtammſt aus zu hohem Stamme, biſt von zu edlem Blute, und haſt einen zu reifen Verſtand, um ein ſolches Maͤhrchen zu glauben.«
„»Es giebt Puncte, in welche ich keine zu tiefe Einſicht beſitze. Ich bin kein Gelehrter aus Prag oder Wittenberg, daß Du mir ſolche Fragen vor⸗ legſt. Es iſt ſchoͤn, daß das Kloſter bei Zeiten dieſer Anſchuldigung gedacht hat, um die Frage endlich gegen oder fuͤr daſſelbe zu entſcheiden, wenn die ge⸗ lehrten, hohen Vaͤter der Kirche ſich zu Conſtanz auf einem allgemeinen und ernſten Concilium ver⸗ ſammeln werden.«
Vater Arnulph betrachtete Emich mit ernſter Betruͤbniß. Er kannte die beklagenswerthe Unwiſ⸗ ſenheit und den daraus folgenden Aberglauben ſeiner Zeit, in welchen ſelbſt die maͤchtigſten Großen ver⸗ ſtrickt waren, zu wohl, um irgend ein Erſtaunen zu zeigen; aber eben ſowohl kannte er die Macht, die dem Andern zu Gebote ſtand, um nicht die Ue⸗ bel voraus zu ſehen, welche in einer ſolchen Ver⸗ einigung von Staͤrke und Unwiſſenheit lagen. Es war jedoch nicht ſeine Abſicht, Meinungen zu be⸗ kaͤmpfen, die nur die Zeit ſtuͤrzen konnte, wenn es anders moͤglich iſt, tief in das Herz gewurzelte Vor⸗ urtheile wieder auszurotten. Er verfolgte vielmehr ſeine unmittelbare Abſicht, und vermied eine Eroͤr⸗ terung, welche, ſo wie die Sachen ſtanden, in jedem Fall ſchlimmer als nutzlos geweſen waͤre.
»Daß die Hand des Boͤſen ſich mehr oder we⸗
niger in alle menſchlichen Dinge mengt, mag wahr


