Druckschrift 
Der Kettenträger, / von J. F. Cooper
Entstehung
Einzelbild herunterladen

592

ſtalt, daß ich fürchtete, ſie würden ſie aufeſſen, während Frank von ſeiner Schweſter Abſchied nahm mit der männlichen Zärtlichkeit, die er ihr immer bezeigte. Der Jüngling war jedoch ſelbſt zu glück⸗ lich, als daß er viele Thränen hätte vergießen ſollen, obgleich Dus an ſeiner Bruſt förmlich ſchluchzte. Das liebe Geſchöpf durcheilte ohne Zweifel mit ihren Gedanken die Vergangenheit, und verglich ſie mit der ſeligen Gegenwart.

Gegen Ende des Honigmondes liebte ich Dus doppelt ſo innig, als ich ſie in der Stunde geliebt hatte, wo wir vermählt wurden. Hätte mir Jemand geſagt, daß dieß möglich ſei, ſo würde ich einen ſolchen Gedanken verlacht haben; aber es war wirklich ſo, und ich darf mit Wahrheit hinzuſetzen, ſo iſt es bis jetzt immer geweſen. Nach Verfluß dieſes Monats reisten wir von Ravensneſt nach Lilaksbuſh ab, wo ich die Freude hatte, meine junge Frau in aller Form demjenigen Theil der ſogenannten Welt vorſtellen zu dürfen, dem ſie eigentlich angehörte. Ehe wir jedoch das Patent verließen, waren ſchon alle meine Plane gemacht und Kontrakte unterzeichnet zum Behufe des Baues des Hauſes, wovon mein Vater geſprochen. Der Grund wurde noch im Herbſte gelegt, und im folgenden Jahre feierten wir unſere Weihnachten darin binnen welcher Zeit mich Dus zum Vater eines ſtattlichen Knaben gemacht hatte.

Es iſt kaum nöthig zu ſagen, daß Frank und Priscilla, ſo wie Tom und Kate nicht ſehr lange nach uns ſich vermählten. Beide Ehen ſind vollkommen glücklich geworden. Der alte Mr. Malbone überlebte den Winter nicht, und hinterließ ein ſehr an⸗ ſehnliches Beſitzthum ganz ſeinem Verwandten. Frank wünſchte, ſeine Schweſter an ſeinem Glück und Vermögen Antheil nehmen zu laſſen, aber ich wollte davon Nichts hören. Dus war an und für ſich Schatz genug, und bedurfte kein Geld, um ihren Werth in meinen Augen zu erhöhen. So dachte ich im Jahr 1785, und ſo denke ich heute noch. Wir nahmen einiges Silbergeſchirr und einige ſchöne Geſchenke, wollten aber vom Vermögen nie Etwas annehmen.

8