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hätte ich nie meinen Enkel zu ermuntern geſucht, auch nur einen Augenblick ernſtlich an ſie zu denken.“
„Euer Enkel hat nie einen Augenblick, oder auch nur einen halben Augenblick ernſtlich an ſie gedacht, liebſte Großmutter,“ rief ich;„daher beunruhigt Euch deßhalb nicht. Nichts der Art hätte mich glücklicher machen können, als die Kunde, daß Priseilla Bayard Frank Malbone heirathe,— Nichts, als etwa die Gewißheit, daß ich ſelbſt des Letztern Halbſchweſter heirathen werde.“
„Wie kann das ſein? Wie konnte ſo Etwas geſchehen, mein Kind! Ich erinnere mich nicht, je Etwas von dieſer Perſon ge⸗ hört zu haben— viel weniger mit Euch geſprochen zu haben von einer ſolchen Verbindung.“
„Oh, liebſte Großmutter, wir leichtfertigen Kinder ſetzen uns manchmal Einfälle dieſer Art in den Kopf, und ſie ſetzen ſich im Herzen feſt, ohne daß wir erſt lange unſere Verwandten um Rath fragen, wie wir freilich ſollten.“
Aber es iſt unnöthig, Alles zu berichten, was bei der nun folgenden langen und abſpringenden Unterhaltung geſprochen wurde. Ich hatte keinen Grund, unzufrieden zu ſein mit meinen Eltern, welche nicht nur immer große Mäßigung, ſondern auch große Nach⸗ ſicht gegen mich an den Tag legten. Ich geſtehe, als ein Diener kam, uns zu ſagen, Miß Dus ſei am Frühſtücktiſch allein und er⸗ warte uns, zitterte ich ein wenig, wie ich bedachte, welche Wir⸗ kungen die zuletzt durchgemachten Scenen auf ihre äußere Erſchei⸗ nung gehabt haben möchten. Sie hatte im Laufe der letzten Woche viel geweint; und als ich ſie zuletzt bei dem Leichenbegängniß ganz flüchtig ſah, war ſie blaß und niedergeſchlagen geweſen. Ein Lie⸗ bender iſt ſo eiferſüchtig ſogar in Bezug auf den Eindruck, den ſeine Geliebte auf Diejenigen macht, von welchen er ſie bewundert zu ſehen wünſcht, daß mir ganz unbehaglich zu Muthe ward, als wir zuerſt in den Hof, dann in das Haus, und endlich in das Eß⸗ zimmer traten.


