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Der Kettenträger, / von J. F. Cooper
Entstehung
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wiſſen und zu ſagen, wie Priscilla gegen Euch geſinnt iſt; aber wenn ihr Herz noch frei, und Mordy Littlepage nicht der Jüng⸗ ling iſt, der es geſtohlen hat, ſo verſtehe ich mich nicht auf mein eigenes Geſchlecht.

Aber Ihr vergeßt, liebſte Großmutter, daß, wenn alle Eure für mich ſo ſchmeichelhaften Vorausſetzungen wahr wären was ſie, wie ich mit gutem Grund glaube, nicht ſind, daß ich auch dann nur bedauern könnte, daß es ſo wäre; denn ich liebe eine Andere.

Dießmal war der Eindruck meiner Worte ein ſo tiefer, daß ein allgemeines Schweigen die Folge war. Gerade in dieſem Augen⸗ blick trat eine Unterbrechung von ſo ſüßer und eigenthümlicher Art ein, daß ich mich wenigſtens ſehr erleichtert fühlte, und der Noth⸗ wendigkeit überhoben war, den Sinn meiner Worte ſofort näher zu erläutern. Ich will erklären, worin dieſe Unterbrechung beſtand.

Der Leſer erinnert ſich vielleicht noch, daß an den äußeren Wänden des Hauſes zu Ravensneſt urſprünglich Licht⸗ und Schieß⸗ löcher angebracht waren, zum Behufe der Vertheidigung, welche in dieſen friedlichen Zeiten als kleine Fenſter benützt wurden. Wir ſtanden unter einer dieſer Oeffnungen, jedoch nicht ſo nahe, daß wir von Jemand, der daran ſtand, geſehen oder gehört werden konnten, wenn wir nicht in lauterem Tone ſprachen, als in welchem die gegenwärtige Unterredung geführt wurde. Aus dieſem Lichtloch

drangen gerade in dieſem Augenblick die leiſen, ſüßen Noten einer

von Dus' köſtlichen indianiſchen Hymnen, ſo möchte ich ſie nennen, hervor, geſungen, wie ſie pflegte, nach einer klagenden ſchottiſchen Melodie. Wie ich einen Blick nach dem Grabe Kettenträgers hin⸗ überwarf, ſah ich Susqueſus darauf ſtehen, und im Augenblick errieth ich das Gefühl, welches Urſula zu dieſem Geſange trieb. Die Worte hatte ich mir früher erklären laſſen, und ich wußte, daß ſie vom Grabe eines Kriegers ſprachen.

Der aufgehobene Finger, der entzückte Ausdruck des Auges,