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paar Meilen weiter unten verlaſſen, wo dann Diejenigen, die Ihr hinſchicken mögt; um darnach zu ſehen, es in Beſitz nehmen und die Sachen, wohin Ihr wollt, bringen können.“
Das Weib ſchien von dieſem Vorſchlag überraſcht und ſogar gerührt, obgleich ſie meinen Beweggründen einigermaßen mißtraute.
„Kann ich mich darauf verlaſſen, Major Littlepage?“ fragte ſie in zweifelndem Tone.„Tobit und ſeine Brüder würden ſich wie Raſende geberden, wenn ein Anſchlag, ſie feſtzunehmen, unter einer ſolchen Maske ſollte in's Werk geſetzt werden.“
„Tobit und ſeine Brüder haben durchaus keine Verrätherei von mir zu befürchten. Hat das Wort eines Gentleman keinen Werth in Euren Augen?“
„Ich weiß, daß Gentlemen in der Regel thun, was ſie ver⸗ ſprechen; und das habe ich auch Aaron oft geſagt als einen Grund, warum er mit ihrem Eigenthum nicht ſo hart umgehen ſolle, aber er wollte nie darauf hören. Nun, Major Littlepage, ich vertraue Euch, und will das Boot an dem Ort erwarten, den Ihr genannt habt. Gott ſegne Euch für dieß, und möge Euch Glück ſchenken in dem, was Eurem Herzen das Nächſte und Theuerſte iſt. Wir werden einander nie wieder ſehen— lebt wohl!“
„Ihr werdet doch hoffentlich in das Haus zurückkehren, und die Nacht behaglich unter einem Dache zubringen?“
„Nein; ich will Euch hier verlaſſen. In den Häuſern iſt Wenig mehr, was mir lieb iſt, und ich werde mich leichter fühlen in den Wäldern.“
„Aber die Nacht iſt kühl, und ehe der Morgen kommt, wird es ſogar kalt und froſtig werden.“
„In dieſem Grabe iſt es noch kälter,“ antwortete das Weib, und deutete kummervoll mit ihrem langen, runzlichen Finger auf den Hügel, welcher die Hülle ihres Gatten deckte.„Ich bin des Waldes gewohnt und gehe, nach meinen Kindern zu ſehen. Die Mutter, die ihre Kinder ſucht, läßt ſich durch Sturm und Froſt nicht
Der Kettenträger. 36


