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Es wäre Elend für mich, in eine Familie zu treten, die mich nicht gerne aufnähme—“
„Urſula!— Liebſte— Theuerſte— Urſula! bedenke doch! Bin ich denn Nichts in Euren Augen?“
„Es würde auch Elend für mich ſein, ohne Euch zu leben, Mordaunt— aber im einen Fall würde ich aufrecht gehalten werden durch das Gefühl, meine Pflicht erfüllt zu haben, während im andern Alles, was mir vom Mißgeſchick begegnet, mir als Strafe für meine Fehler erſcheinen würde.“
Ich wollte das Verſprechen nicht leiſten; denn, die Wahrheit zu geſtehen, ſo wenig ich auch nur einen Augenblick wegen meines Vaters oder meiner Mutter Zweifel hegte, ſo war dieß doch der
Fall rückſichtlich meiner lieben und verehrungswürdigen Großmutter. Ich wußte, daß ſie nicht nur ſich in den Kopf geſetzt hatte, ich müſſe Priscilla Bayard heirathen, ſondern daß ſie auch eine Leiden⸗ ſchaft hatte, in ihrer Familie Partien zu ſtiften; und ich fürchtete, ſie möchte mit der Zähigkeit des Alters auf ihren Anſichten bleiben. Dus ſuchte mich zu bewegen, die Zuſage zu geben; aber ich ſträubte mich dagegen; und alles Zureden hörte auf in Folge einer Bemer⸗ kung, welche bald darauf der Kettenträger machte.
„Es thut nichts, es thut nichts, Liebchen; dein Verſprechen iſt genug. So lange du demſelben treu bleibſt, was hat es zu ſagen, ob Mordaunt eigenſinnig iſt oder nicht? Und jetzt, meine Kinder, da ich nun nicht weiter von den Dingen dieſer Welt reden will, ſondern alle meine Gedanken und Worte den göttlichen Dingen zuzuwenden wünſche, will ich meine Abſchiedsworte zu euch ſprechen. Ob ihr euch nun heirathet oder nicht, bitte ich den allmächtigen Gott, euch ſeinen beſten Segen zu verleihen in dieſem Leben wie im künftigen. Lebt ſo, meine theuren Kinder, daß ihr dem ernſten Augenblick, deſſen ihr jetzt mich gewärtig ſehet, mit Hoffnung und Freude entgegengehen könnt, und daß wir uns Alle wieder⸗ ſehen mögen in den himmliſchen Wohnungen, Amen!“


