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Der Kettenträger, / von J. F. Cooper
Entstehung
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mehr an das Holz, ſagte Prudence mit Eifer und Ernſt;die Zeit iſt verzweifelt kurz im beſten Falle, und die Eurige iſt kürzer als gewöhnlich, ſelbſt für einen Mann von ſiebzig Jahren, wäh⸗ rend die Ewigkeit kein Ende hat. Vergeßt die Bretter und vergeßt die Jungen, vergeßt die Mädchen, vergeßt die Erde und Alles, was ſie enthält!

Du willſt doch nicht, daß ich dich vergeſſe, Prudence, unter⸗ brach ſie Tauſendacres,dich, die du jetzt vierzig lange Jahre mein Weib geweſen, die ich genommen, als du jung und ſchön warſt, die mir ſo viele Kinder geboren, und immer eine treue und handarbeitende Frau geweſen du willſt doch nicht, daß ich dich vergeſſe?

Dieſe eigenthümliche Frage, aus dem Munde eines ſolchen Menſchen, und beinahe in ſeinem Todeskampfe, klang wunderbar und feierlich unter die verworrenen und halbwilden Gemüthser⸗ ſchütterungen einer mir ewig unvergeßlichen Scene hinein. Die Wirkung derſelben auf Urſula war beſonders auffallend; ſie ver⸗ ließ das Bett ihres Oheims, und mit dem Ausdruck innigen, weiblichen Mitgefühls in ihrem Angeſicht näherte ſie ſich dieſem betagten Paare, das jetzt für eine kurze Zeit wenigſtens ge⸗ trennt werden ſollte, blieb hier ſtehen, nachdenklich den Mann, der wahrſcheinlich ihres Oheims Mörder war, anſchauend, wie wenn ſie gerne in ſeinen geiſtigen Leiden und Krankheiten ihm Hilfe ſpendete. Selbſt Kettenträger verſuchte ſein Haupt auf⸗ zurichten und ſah mit Theilnahme nach der andern Gruppe hinüber. Niemand jedoch ſprach, denn Alle fühlten, daß die feierlich ernſten Erinnerungen und Ahnungen eines Paares in ſolcher Lage zu heilig waren, als daß ſie unterbrochen werden durften. So ging das Geſpräch zwiſchen ihnen ohne eine Un⸗ terbrechung fort.

Nein, Aaron, mein Mann, nein, das will ich nicht, ant⸗ wortete Prudence, und ihre Stimme verrieth den Kampf mit