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Der Kettenträger, / von J. F. Cooper
Entstehung
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Ich fürchte, ſeine Verletzung iſt tödtlich, und bedaure ſehr, daß dieß geſchehen iſt. Es war genug, daß das Blut unſeres er⸗ probten Freundes, des Kettenträgers, bei einem ſo erbärmlichen Handel vergoſſen worden iſt.

Ja, recht erbärmlicher Handel; auch ſo denken. Wenn Squat⸗ ter erſchoſſen den Vermeſſer, er denken müſſen, Vermeſſers Freund wird ſchießen den Squatter.

Das mag indianiſches Geſetz und Recht ſein, Sureflint, aber es iſt nicht Geſetz und Recht bei den Bleichgeſichtern, in Zeiten der Ruhe und des Friedens..

Der Indianer rauchte fort, ohne eine Antwort zu geben.

Es war eine recht verruchte That, den Kettenträger zu er⸗ morden, und Tauſendacres hätte ſollen den Richtern zur Beſtrafung überliefert werden, wenn er dabei die Hand im Spiel hatte; aber nicht erſchoſſen werden wie ein Hund.

Der Onondago zog die Pfeife aus dem Munde, ſah ſich um nach dem Squire, welcher unter die Thüre gegangen war, um die friſche Luft einzuathmen, und dann, mit einem bedeutungsvollen Blick ſeines Auges auf mich, antwortete er:

Zu welchem Magiſtratsmann gehen, he? Was nützen gutes Geſetz bei ſchlechtem Magiſtrat? Beſſer, Rothhautgeſetz haben und der Krieger ſein eigner Magiſtrat ſein und auch eignen Galgen!

Dann nahm Sureflint die Pfeife wieder in den Mund und ſchien vollkommen zufrieden mit Allem, was vorgegangen war; denn er wandte ſich weg und ſchien wieder ganz in ſeine eigenen Gedanken verſunken.

In Wahrheit hatte dieſen Angehörigen eines barbariſchen Volkes ſein kräftiger natürlicher Verſtand eines der wichtigſten Ge⸗ heimniſſe in unſern ſocialen Uebelſtänden richtig erkennen laſſen. Gute Geſetze, ſchlecht gehandhabt, ſind um Nichts beſſer als völlige Geſetzloſigkeit, da ſie nur die Uebertreter ermuntern durch den Schutz, den ſie gewähren mittelſt der Macht, welche unwürdigen