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„So ſteht vielleicht Alles gut, und wir haben unſere Feind⸗ verjagt, ohne ihnen ein Leid zu thun. Seid Ihr ſtark genug, um ſie in gehöriger Entfernung zu halten?“
„Vollkommen; wir ſind eine Schaar von beinahe dreißig Mann, begleitet von einem Unter⸗Sheriff und einem Friedensrichter. Was uns fehlte, war nur ein Führer, der die Richtung genau gewußt hätte, dann wären wir einige Stunden früher ſchon angekommen.“
Ich ſeufzte innerlich tief auf bei dieſer Kunde, denn dieſe we⸗ nigen Stunden hätten dem armen Kettenträger das Leben gerettet. Aber auch ſo war dieſe Befreiung des freudigſten Dankes werth; und einer der glücklichſten Augenblicke meines Lebens war der, wo ich Dus ihrem Bruder an die Bruſt ſinken und ſie in Thränen ausbrechen ſah. Ich war an ihrer Seite, unter der Thüre der Hütte, als dieſe Begrüßung ſtattfand; und Dus bot mir zärtlich eine Hand hin, als ſie ſich aus den Armen ihres Bruders loswand. Frank Malbone machte ein etwas überraſchtes Geſicht bei dieſer Vertraulichkeit; aber begierig, den Kettenträger zu ſehen und zu ſprechen, trat er in das Haus hinein und nähekte ſich dem Bette. Dus und ich folgten ihm; denn das Geſchrei und das Feuern hatte das Ohr des Verwundeten erreicht, und Andries war ängſtlich ver⸗ langend, zu erfahren, was es zu bedeuten gehabt habe. Der An⸗ blick Malbone's gab ihm im Allgemeinen einigen Aufſchluß über den Stand der Dinge; aber eine lebhafte, ängſtliche Spannung malte ſich in ſeinem verfallenen Geſichte, wie er mich, nähere Nach⸗ richten von mir heiſchend, anſah.
„Was iſt es, Mordaunt?“ fragte er, noch mit ziemlich kräf⸗ tiger Stimme, denn die Ungeduld und Spannung, womit er der Antwort harrte, ſteigerten vermuthlich für den Augenblick ſeine phyſiſchen Kräfte.„Was iſt es, Junge? Ich will hoffen, es habe doch kein unnützer Kampf ſtattgefunden wegen eines alten Mannes wie ich, der ſeine ſiebzig Jahre gelebt hat, und der ſeinem Herrn das Leben ſchuldig iſt, das ihm ſiebzig lange Jahre verliehen war.
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