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brauche keinen Doktor hier, um mich und die Meinigen dem Ge⸗ ſetze zu verrathen.“
„Nein, Euer Bote kann Euer Geheimniß bewahren; und ich will ihm Geld geben, um den Arzt zu vermögen, zu kommen, und ſogleich zu kommen. Man kann ihm ſagen, ich ſei durch einen Zufall verletzt worden, und er kann vielleicht noch zu rechter Zeit hier eintreffen, um die Schmerzen zu lindern; daß ſonſt keine Hoff⸗ nung vorhanden iſt, muß ich ſelbſt zugeben.“
„Die Menſchen müſſen annehmen, was ihr Schickſal und Be⸗ ruf mit ſich bringt,“ verſetzte kalt der verhärtete Mann.„Die in den Wäldern leben, ſetzen ſich dem Geſchick und den Zufällen des Waldmannes aus; und die im offenen Lande leben, dem Geſchick und den Zufällen des offenen Landes. Meine Familie und mein geſchnittenes Holz müſſen auf jede Gefahr hin mir erhalten blei⸗ ben; und kein Doktor ſoll hieher kommen. 4
Was war zu thun,— was war möglich mit einem ſolchen Menſchen anzufangen? In ſeinem Moralſyſtem waren alle ſeine Grundſätze, war alles Rechtsgefühl nur auf ſein Ich beſchränkt. Es war ebenſo unmöglich, ihn diejenige Seite einer Frage ſehen zu machen, welche ſeinen Intereſſen wirklich oder nur eingebildeter Weiſe zuwider war, als dem leiblich Blinden das Geſicht zu geben. Ich hatte gehofft, Reue und Zerknirſchung nage an ſeinem Herzen, und in Folge der Wirkſamkeit einer ſo mächtigen Zuchtmeiſterin ſei vielleicht ein Vortheil herauszuſchlagen; aber ſobald ſein dum⸗ pfes Weſen wieder zu einiger Thätigkeit aufgerüttelt war, nahm es auch wieder die Richtung der Selbſtſucht an, ſo unwandelbar als die Nadel nach dem Pole weist.
Voll Verdruß und Ekel über dieß Hervortreten des mächtigſten, ſtärkſten Zuges im Charakter des Squatters war ich eben im Be⸗ griff, mich von ihm zu entfernen, als ein lautes Geſchrei um das Haus herum ſich erhob, worauf der Blitz und Knall von drei
oder vier Büchſen folgte. Ich rannte nach der Thüre, und kam
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