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Blick ſeitwärts, und ich ſah Lowiny im Schatten des Hauſes kauern, verlangend, wie es ſchien, meine Aufmerkſamkeit auf ſich zu ziehen. Sie war einige Zeit weg geweſen und hatte vermuthlich die Ge⸗ ſpräche der draußen Befindlichen belauſcht.
„Denkt ja nicht daran, Euch weit vom Hauſe weg zu wagen,“ flüſterte das Mädchen.„Der böſe Geiſt hat von Tobit Beſitz ge⸗ nommen, und er hat ſo eben geſchworen, daſſelbe Grab ſolle Euch, Kettenträger und Dus decken.„Gräber laſſen ſich nicht zu Zeugen gebrauchen,“ ſagte er. Ich habe ihn nie ſo unheimlich geſehen, wie heute Abend, obgleich er immer fürchterlich wild und zornig iſt, wenn Etwas falſch geht.“
Das Mädchen glitt an mir vorbei, nachdem ſie mir in aller Haſt dieſe Mittheilung gemacht hatte, und im nächſten Augenblick ſtand ſie ruhig neben Dus, bereit, ihr in allen etwa nöthigen Dienſt⸗ leiſtungen bei dem Verwundeten behilflich zu ſein. Ich ſah, daß ſie unbemerkt geblieben war, und ſuchte dann mit einiger Vorſicht aus⸗ zukundſchaften, in welcher Lage ich ſelbſt mich befände. Die Nacht war inzwiſchen ganz finſter geworden, und es war unmöglich, auf zwanzig Fuß Entfernung Perſonen zu erkennen. Zwar konnte man auf doppelt ſo viel Schritte Entfernung oder auch noch mehr einen Mann von einem Baumſtumpen unterſcheiden; aber die verſchiede⸗ nen Gegenſtände der noch wilden und rohen Lichtung begannen der⸗ geſtalt ſich zu verwirren und in Eine Maſſe zu verſchmelzen, daß das Auge den größten Theil ſeines gewöhnlichen Sehvermögens verlor. Dieſe Gruppe von jungen Männern ſchloß, ſo vermuthete ich, den furchtbaren Tobit in ſich: aber ich konnte mir hierüber durchaus nicht Gewißheit verſchaffen, ohne mich derſelben ganz nahe
zu wagen. Dazu hatte ich keine Luſt, da ich in dieſem Augenblick mit Keinem der Familie etwas Beſtimmtes zu ſprechen hatte. Hät⸗ ten die Squatter in mein Herz ſehen können, ſo würden ſie ganz unbeſorgt geweſen ſein wegen der Möglichkeit meiner Flucht; denn wenn auch Dus gar nicht in Betracht gekommen wäre, was doch


