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Der Kettenträger, / von J. F. Cooper
Entstehung
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Der Vater ſaß in finſterem Schweigen auf der einen Seite des Feuers, während Prudence ſich auf die andere ſetzte. Mir ge⸗ fiel der Ausdruck im Geſichte des Squatters nicht, aber er ſagte nichts und that nichts. Es ſchien mir, daß er über die Umſtände brüte, und ſeine Erbitterung dadurch nähre, daß er ſich eingebil⸗ detes Unrecht in die Seele zurückrufe, das er erlitten zu haben glaubte, und zugleich über Planen für die Zukunft ſinne. Wenn dieß wirklich der Fall war, ſo zeigte er große Selbſtbeherrſchung, indem weder Unruhe noch haſtige Ungeduld auch nur im leiſeſten Grade in ſeinen Zügen ſichtbar wurde. Prudence war in einer fürchterlichen Gemüthsbewegung. Sie ſagte nichts, aber ſie be⸗ wegte ſich und zuckte am ganzen Leibe in nervöſer Aufregung, und von Zeit zu Zeit entrang ſich ihrer Bruſt ein ſchweres, halb unter⸗ drücktes Stöhnen, trotz ihrer Anſtrengung, es zu erſticken. Im Uebrigen war ſie wie gar nicht anweſend.

Ich war gewohnt, Schußwunden zu ſehen, und beſaß im All⸗ gemeinen einige Kenntniß von deren Wirkungen, ſo daß ich ziem⸗ lich zu beurtheilen vermochte, welche tödtlich zu werden drohten und welche nicht. Mein erſter Blick auf die Verletzung Ketten⸗ trägers überzeugte mich, daß keine Hoffnung blieb, ihn am Leben erhalten zu ſehen. Die Kugel war zwiſchen zwei Rippen hindurch⸗ gegangen und ſchien mir eine Richtung nach unten genommen zu haben; aber es war unmöglich, daß die vitalen Organe ſollten verſchont geblieben ſein, wenn die Wunde auf dieſem Punkte des menſchlichen Körpers anfing. Die erſte Wirkung der Wunde war Bewußtloſigkeit geweſen; aber wir hatten kaum den Leidenden auf das Bett gelegt und ſeine Lippen mit etwas Waſſer benetzt, als er wieder auflebte; und bald bekam er das Bewußtſein wieder, ſo wie auch die Sprache. Aber der Tod lag in ſeinen Zügen, und es war mir ganz klar, daß ſeine Stunden gezählt waren. Er konnte noch einige Tage leben, aber es war nicht möglich, daß er mit dem Leben davon kam.