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„Er athmet!“ ſagte ſie mit dumpfer Stimme, aber haſtig. „Gott ſei geprieſen, Mordaunt, er athmet noch. Die Verwundung iſt vielleicht nicht ſo ſchwer, als wir anfänglich glaubten; laßt uns ihm Beiſtand leiſten, ſo viel wir vermögeu.“
Das war die charakteriſtiſche Beſonnenheit und Entſchloſſenheit von Urſula Malbone! Raſch aufſtehend, wandte ſie ſich zu der Gruppe der ſchweigenden aber aufmerkſam beobachtenden Squatters, und ſprach den Reſt der Menſchlichkeit, der noch in ihren Herzen ſich finden mochte, um Beiſtand und Hilfe an. Tauſendacres ſtand als der Vorderſte des dunkeln Haufens unter der Thüre da, und betrachtete grimmig die regungsloſe Geſtalt, neben welcher Dus, bleich und mit zerriſſenem Herzen, aber doch geſammelt und in ruhiger Faſſung ſtand.
„Der Hartherzigſte unter Euch wird doch einer Tochter nicht das Recht beſtreiten, einem Vater die Hilfe und Liebesdienſte zu leiſten, deren er bedarf,“ ſagte ſie mit einem Pathos in ihrer Stimme und mit einer Würde in ihrem Weſen und Benehmen, die mich mit Liebe und Bewunderung erfüllten, und einen ſichtbaren Eindruck auf Alle machten, die ſie hörten.„Helft mir meinen
Oheim aufheben und auf ein Bett legen, während Major Little⸗ page ſeine Verletzung unterſucht. Ihr werdet mir dieſen kleinen Troſt nicht verſagen, Tauſendacres, denn Ihr könnt nicht wiſſen, wie bald Ihr ſelbſt auch ſolchen Beiſtandes benöthig ſein dürftet!“
Zephaniah, welcher ſicherlich bei dem Morde Kettenträgers nicht betheiligt war, trat jetzt näher; und er, ich, Lowiny und Dus hoben den noch immer Regungsloſen auf und legten ihn auf das Bett Prudence's, welches in dem Hauptgemache ſtand. Unter den Squatters fand eine Berathung ſtatt, während wir damit be⸗ ſchäftigt waren, und Eines nach dem Andern von der Familie ſchlich ſich weg, bis zuletzt Niemand mehr im Hauſe war, als Tauſendacres, ſeine Frau und Lowy; die Letztgenannte blieb bei Dus als eine nützliche und ſogar liebevolle Gehilfin.


