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Dus ſah etwas erſchrocken und beunruhigt aus, wie mir ſchien, als fürchtete ſie, zu viel geſagt zu haben, oder vielleicht, wie wenn ich zu viel geſagt hätte. Sie ſtand auf, dankte mir haſtig, aber ganz in der Art einer feinfühlenden Lady, und machte ſich daran, das Theezeug wegzuräumen, mit einem ſolchen emſigen Eifer, als wäre ſie nichts weiter, als eine dienende Magd.
Dieß war meine erſte Unterredung mit Urſula Malbone— mit der ich ſeither ſo viele und ſo ganz andere gehabt habe! Als
ich aufſtand, den Kettenträger aufzuſuchen, da empfand ich ſchon
ein Intereſſe für meine Geſellſchafterin, das ebenſo ſtark als plötz⸗ lich entſtanden war. Ich will nicht läugnen, daß ihre Schönheit auch ihren Einfluß hatte,— es wäre unnatürlich geweſen, wenn dieß nicht der Fall geweſen wäre,— aber es war weniger ihre ausnehmende Schönheit(Urſula Malbone konnte für eine der Schönſten ihres Geſchlechts gelten!) es war weniger ihre Schön⸗ heit, die mich ſo anzog, als ihre Geradheit, Wahrhaftigkeit und Unbefangenheit, innig verſchmolzen wie dieſe Eigenſchaften waren mit den Gefühlen und der Zartheit ihres Geſchlechts. Sie hatte allerdings Dinge gethan, die, hätte ich nur davon gehört, mich unangenehm angeſprochen haben würden, als keck und unweiblich, und die jetzt auch auf den Leſer dieſen Eindruck machen mögen; aber mit dieſem Urtheil thäte man Dus Unrecht. Keine Handlung, kein Wort von ihr, nicht einmal, daß ſie meine Hand ergriff, er⸗ ſchien mir im Augenblick ſelbſt auch nur im mindeſten keck und frei, denn ihr ganzes Benehmen dabei trug ſo vollſtändig den Charakter des innigſten Gefühls, das ſie einzig und allein an ihren Bruder denken machte. Natur und Umſtände hatten ſich vereinigt, ihren Charakter gerade zu dem zu machen, was er war; und ich will geſtehen, ich wünſchte ſie auch nicht in einem einzigen Punkt an⸗ ders, als ich ſie wirklich fand.
Von Priscilla Bayard ſprechen in Vergleichung mit Urſula Malbone! Beide waren ſchön, es iſt wahr, obgleich die Schönheit


