218
den ſüßen, blauen Augen, und ſo wenig im Tone gewöhnlicher Neugier, daß ich ganz davon bezaubert war.
„Gewiß nicht,“ antwortete ich, raſch genug ſelbſt für einen jungen Mann, der unter dem Einfluſſe ſo viel natürlichen, unge⸗ künſtelten, lebhaften Gefühls handelte,„und es wird mir eine große Freude ſein, es Euch zu ſagen. Wir ſind ſchon lange unzufrieden mit unſerem Agenten auf dieſem Gut, und ich hatte im Sinne ge⸗ habt, Eurem Oheim die Stelle anzubieten. Aber in dieſem Falle wäre dieſelbe Schwierigkeit eingetreten, welche ihn keinen zuverläſ⸗ ſigen Landmeſſer werden ließ— der Mangel an Geſchick mit Zahlen umzugehen; dieſe Schwierigkeit nun wird bei Eurem Bruder nicht eintreten, und es wird der ganzen Familie, dem Kettenträger ebenſo wie den Uebrigen zu Gute kommen, wenn ich die Stelle Frank gebe.“
„Ihr nennt ihn Frank!“ rief ſie lachend, und ſichtlich hoch⸗ erfreut über Das, was ſie gehört hatte.„Das iſt eine gute Vor⸗ bedeutung; aber wenn Ihr mich zum Range der Schweſter eines Agenten erhebt, weiß ich nicht, ob ich nicht darauf dringen werde, Urſula wenigſtens, wo nicht gar Miß Urſula, mich nennen zu laſſen.“
Ich wußte gar nicht recht, was ich aus dieſem Mädchen machen ſollte; es war bei ihr ſo viel Munterkeit und ſelbſt Spaßhaftigkeit gemiſcht mit einer Ader ſo tiefen Gefühles, als ich nur je in einem menſchlichen Angeſicht ausgeprägt geſehen habe. Die für ihren Bruder ſich eröffnenden Ausſichten ſtimmten ſie heiter; doch verrieth ihre Miene noch das Verlangen, mehr zu hören.
„Ihr könnt jede Titulatur anſprechen, die Euch gefällt, denn Franks Name ſoll zur Stunde in den neuen Beſtallungsbrief eines Agenten und Verwalters geſetzt werden. Mr. Newcome iſt durch einen Brief in Kenntniß geſetzt worden, was er zu erwarten hat, und legt ſeine große Zufriedenheit an den Tag darüber, daß er einer Maſſe undankbarer Mühe und Unluſt entledigt werde.“


