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Bedenken tragen ſollen, ſeinen wohlerworbenen Ruf mit ihm zu theilen?“ 7
„Aber Ihr, Miß Malbone— theuerſte Dus— Ihr, ſo er⸗ zogen und gebildet, geboren als eine Lady, geliebt von Priscilla Bayard, die Schweſter Franks, Ihr ſeid bei einer ſolchen Beſchäf⸗ tigung nicht in der Euch geziemenden Sphäre.“
„Es iſt nicht ſo leicht zu ſagen, was die geziemende Sphäre eines Weibes iſt. Ich gebe zu, im Allgemeinen ſoll ſie im häus⸗ lichen Kreiſe, unter dem häuslichen Dache ſein; aber die Umſtände müſſen die Entſcheidung und den Ausſchlag geben. Wir hören
von Frauen, welche ihren Gatten in das Lager und den Krieg
folgen; und wir hören von Nonnen, welche aus ihren Klöſtern kommen, um die Kranken und Verwundeten in den Spitälern zu pflegen. Daher kommt es mir an einem Mädchen nicht als etwas ſo Arges vor, daß ſie ſich erbietet, den Ihrigen beizuſtehen, wie ich meinen Verwandten geholfen habe, wenn ſie nur die Wahl hat, ſonſt Mangel zu leiden.“
„Gnädige Vorſehung! Und Andries hat mich über das Alles in Unwiſſenheit gelaſſen! Er wußte, daß mein Geldbeutel der ſei⸗ nige geweſen wäre; und wie konntet Ihr denn Mangel leiden in⸗ mitten des Ueberfluſſes, der auf dieſer Anſiedelung herrſcht, welche nur fünfzehn oder zwanzig Meilen von Eurer Hütte entfernt iſt, wie ich aus des Kettenträgers Briefen weiß?“
„Nahrungsmittel ſind genug da, das gebe ich zu, aber wir hatten kein Geld; und als wir die Wahl hatten zwiſchen Betteln und Arbeit, entſchieden wir uns natürlich für letztere. Mein Oheim machte einen Verſuch, einen Tag lang, mit dem alten Killian, un⸗ ſerem Schwarzen; aber Ihr wißt, wie ſchwer es iſt, dieſen Leuten Etwas begreiflich zu machen, was nur ein wenig verwickelt iſt; und ſo bot denn ich meine Dienſte an. Ich bin geſcheidt genug, hoffe ich,“— das Mädchen lächelte etwas ſtolz bei dieſen Worten— „und Ihr habt keinen Begriff davon, wie behend und kräftig ich


