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Der Kettenträger, / von J. F. Cooper
Entstehung
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Natürlich gewährtet Ihr nur Euren Verwandten den Genuß Eurer Geſellſchaft, und ſorgtet ein Wenig für ihr Behagen, wenn ſie von einem harten Tagewerk zurückkehrten?

Dus erhob ihre Augen gegen mich; lächelte, dann wurde ihr Geſicht traurig, ihre Unterlippe zuckte ganz leicht, und dann kam wieder ein Lächeln nicht ganz ohne Laune. Ich beobachtete dieſe Zeichen wechſelnder Empfindungen mit einem unbeſchreiblichen In⸗ tereſſe; denn das Spiel tugendhafter und unverfälſchter innerer Bewegung auf einem lieblichen weiblichen Angeſicht iſt eines der köſtlichſten Schauſpiele von der Welt.

Ich kann die Kette tragen, ſagte das Mädchen, nachdem dieſer Wechſel von Empfindungen vorüber war.

Ihr könnt die Kette tragen, Urſula Dus, oder wie ich Euch nennen ſoll

Nennt mich Dus, ich höre dieſen Namen am liebſten.

Ich glaube recht gerne, daß Ihr die Kette tragen könnt, aber Ihr wollt doch wohl nicht ſagen, daß Ihr es ſchon gethan habt?

Das Antlitz von Dus flammte; aber ſie ſchaute mir voll in's Geſicht, als ſie bejahend mit dem Kopf nickte; und ſie lächelte ſo ſüß, als nur je ein Weib gelächelt hat.

Zur Unterhaltung um ſagen zu können, Ihr habet es gethan zum Spaß?

Um meinem Oheim und meinem Bruder zu helfen, welche nicht die Mittel hatten, einen zweiten Mann zu miethen.

Guter Gott! Miß Malbone Urſula Dus

Letzterer iſt der geeignetſte Name für eine Kettenträgerin, verſetzte das Mädchen lächelnd; und dabei ergriff ſie förmlich meine Hand in unwillkürlicher Aufwallung ihres Mitgefühls mit dem Entſetzen, von welchem ſie mich ergriffen ſahAber warum be⸗ trachtet Ihr denn dieſe kleine Mühe als etwas ſo Entſetzliches, da doch dieſe Arbeit geſund und ehrlich iſt? Ihr denkt Euch eine